Aufrufe
vor 3 Jahren

Winter Ausg 47_2018

  • Text
  • Ultimative
  • Exclusiv
  • Menschen
  • Zeit
  • Welt
  • Weihnachtsmarkt
  • November
  • Wasser
  • Dezember
  • Landau
  • Ausg
  • Magazin.de
Unsere Winterausgabe für November und Dezember 2018 sowie Januar 2019

Kolumne Das Smartphone.

Kolumne Das Smartphone. — Segen oder Fluch? Das Smartphone ist seit wenigen Jahren erst „auf die Welt gekommen“ und schon hat es unsere Kommunikation nicht nur nachhaltig beeinflusst, sondern ist bei vielen Erdenbürgern gar nicht mehr aus dem Alltag wegzudenken. Selbst in den entlegensten Gebieten der Welt hat man das Kommunikationsgerät (früher nannte man das noch Telefon!) täglich in der Hand. Foto: techcrunch E s ist doch wie verhext. Einerseits sind es nur wenige Jahre her, wo man noch ein ganz normales Festnetztelefon (mit Kabel!) in Anspruch nehmen musste, um mit Menschen in der Ferne zu sprechen. Es war ja schon eine technische Besonderheit, tragbare Telefone zu haben, die man im ganzen Haus benutzen konnte! Auf der anderen Seite kommt es mir schon fast wie eine kleine Ewigkeit her, weil man sich so schnell daran gewöhnt hat. Unglaublich, wie stark diese Dinger sich in unseren Kommunikationsalltag innerhalb dieser kurzen Jahre hineingedrängt haben und dabei wurde teilweise unsere ganz normale Kommunikation verdrängt. Wir sind so dermaßen fasziniert von der kunterbunten Vielfalt der technischen Möglichkeiten, den Apps, den Musikkanälen, den Spielen, den Handyfotos – ganz zu schweigen von den ganzen sozialen Netzwerken, dass wir fast schon gar nicht mehr merken, wie sich unsere nächsten Mitmenschen einerseits meilenweit von uns weg bewegt haben, aber andererseits Menschen aus der ganzen Welt plötzlich greifbar nahe sind, beziehungsweise bleiben. Dazu später mehr. Es ist immer in unserer Nähe, egal ob in der Hosentasche, im Rucksack, auf dem Schreibtisch oder neben dem Kopfkissen, während wir schlafen. Wir benutzen es zum Googeln, Spielen, WhatsAppen, Fotografieren und Teilen. Eine Studie über das Nutzungsverhalten von Smartphone-Usern zeigt auf erschreckende Weise, wie oft wir das tun. Das US-Markforschungsinstitut dscout hat in seiner Studie „Mobile Touches: A Study on Human and their Tech“ die Smartphone-Nutzung von Menschen beobachtet. Dazu wurden 94 Probanden fünf Tage lang rund um die Uhr überwacht. Jedes Entsperren, jedes „Gefällt mir“ auf Instagram oder Facebook wurde gezählt. Das Ergebnis ergab: Das Smartphone wurde im Durchschnitt 2617 Mal pro Tag berührt. Die extremen Nutzer hatten sogar bis zu 5427 Berührungen. Rechnet man das aufs Jahr hoch, liegen diese sogenannten „Heavy User“ bei zwei Millionen Berührungen. Ist es da noch ein Wunder, wenn man von einer echten Handy-Sucht spricht? Dass es sogar ein neuer Trend wird, sogenannte „Handy- Fastentage“ einzuführen, wo man das Ding mal gar nicht anrührt? 82

Vor einigen Monaten hörte ich mal eine Erhebung, wonach ein durchschnittlicher Handynutzer über 200 mal täglich das Gerät in die Hand nahm. Selbst bei dieser Zahl war ich schon erschrocken! Wie sich doch die Zeiten so schnell ändern! Der Fluch, um die Eingangsfrage anzusprechen, beginnt dann, wenn Menschen permanent und unentwegt das Gerät vor die Nase halten. Laufe ich durch unsere Fußgängerzone, gibt es immer mehr Leute – vornehmlich Jugendliche und junge Erwachsene – die während des Gehens es nicht lassen können, darauf herumzutippen. Der Fluch hat seinen Höhepunkt erreicht, wenn Autofahrer es nicht lassen können, sogar während der Fahrt das Gerät zu bedienen, geschweige denn Texte zu tippen. Es gibt eine erschreckend hohe Zahl von schwersten Verkehrsunfällen, die auf diese höchst gefährliche Unart zurück zu führen sind. Ich vermute stark, dass die Dunkelziffer noch weit höher liegt. Meiner persönlichen Meinung nach dürfte es gar kein Auto mehr im 21. Jahrhundert ohne Freisprecheinrichtung geben. Ich beobachte an mir selbst, wenn ich während der Fahrt das Touchscreen des Autos bediene, wie stark mich das bisweilen vom Verkehr ablenkt, obwohl ich das grundsätzlich nur auf Autobahnen tue, wo die Aufmerksamkeit nicht ganz so sehr in Anspruch genommen wird wie im Stadtverkehr. Der Fluch äußert sich aber auch in unserem direkten sozialen Umfeld. Wie oft sieht man Leute, die beieinander sitzen, wo jeder sein Gerät für sich in die Hand nimmt und darauf herum hackt. Es bietet sich in unseren Tagen ein oft seltsames Bild. Man glaubt, unsere Zeit ist dazu verdammt, dass man sich freiwillig vereinsamt, wo die Zahl derjenigen, mit denen man in Facebook befreundet ist, sich in die Hunderte vermehrt, aber andererseits die Zahl der direkten Freunde, mit denen man Face-to-face redet, sich minimiert! Oft hat man den Eindruck, dass die „Hardcore-Nutzer“ beginnen, sich in der realen Welt zu entsozialisieren und nur noch in der virtuellen Welt leben. Freunde hat man mittlerweile nur noch in Instagram, Twitter, Facebook und per WhatsApp. Wenn nun jemand den Eindruck gewinnt, dass ich die Smartphones rundweg verteufle, hat sich geirrt. Ich sehe vielmehr Smartphones als einen unschätzbaren Segen des 21. Jahrhunderts an. Abgesehen davon, dass ich mein I-Phone sehr viel erfolgreich beruflich nutze, liefert es mir in ruhigen Minuten viel Entspannung, indem ich beispielsweise eines der ältesten Spiele verwende, die es gibt, nämlich FreeCell. Dabei kann man herrlich spazieren denken und loslassen. Das wichtigste Element für mich ganz privat ist jedoch das „Kakao Talk“ App (vergleichbar etwa mit WhatsApp), welches mir erlaubt, ständig vielfach Kontakt zu halten mit meiner Tochter in den USA. Als sie früher mal weg war, habe ich den Trennungsschmerz ohne diese technischen Hilfsmittel viel stärker empfunden als heute. Wir chatten, posten uns die Essensbilder, zeigen den gepflegten Rasen, machen verrückte Selfies, posten kindische Emojis usw. Als sie neulich für wenige Tage bei uns zu Besuch war, empfand ich es so, als wäre sie nur ganz kurz – oder sogar überhaupt nicht weg gewesen! So gesehen empfinde ich das als einen gewaltigen Segen. Sie selbst empfindet das übrigens genauso. Wollen Sie meine Devise über Smartphones im Allgemeinen und soziale Netzwerke im Besonderen hören? Gebrauchen und nicht missbrauchen. Mir gefällt ein Satz sehr gut, den der Apostel Paulus schon vor 2000 Jahren in der Bibel schrieb: „Mir ist alles erlaubt, aber es nützt nicht alles. Mir ist alles erlaubt, aber ich will mich von nichts gefangen nehmen lassen!“ (Aus 1. Korinther Kapitel 6) TS Galerie ideen-concepte Theaterstraße 3 | D-76829 Landau Telefon: 06341 - 968 26 32 www.steinmetz-malerei.de © online-tipps.info die ultimative Branchen-Info — exclusiv beim f 83