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pm 0945 JUN 2018

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Sommerausgabe des pfalz-magazins. Zeitfenster Juni bis einschließlich August 2018

Kolumne Endlich Sommer

Kolumne Endlich Sommer Nostalgie-Gedanken zum Sommeranfang Von Sarah Conlon Der Sommer ist die Zeit des Entspannens, des Einfach - nur - Draußen - Sitzens, des Sonnenstrahlenkitzelns und des Durchatmens. Nach einem scheinbar endlos langen, grauen Winter haben wir endlich den Sommer wieder auf unserer Seite. Endlich kann ich die Wintersachen in die hinterste Ecke meines Kleiderschrankes schieben und Platz für neue, luftige und farbenfrohe Sachen schaffen. Auch in meinem Kopf scheint wieder mehr Platz für Neues zu sein. Als es draußen noch geschneit, gehagelt und geregnet hat, habe ich mich oft einfach nur zurückgezogen, eingemummelt, die Zeit und die grauen Wolken an mir vorüberziehen lassen, alles einstauben lassen und mich einfach wie ein schlafendes, träges, dickes Murmeltier gefühlt. Aber jetzt, wo alles draußen zu neuem Leben erwacht, erwache auch ich wieder zum Leben. Jetzt habe ich wieder Energie und miste so richtig aus. Nicht nur im Kleiderschrank, sondern auch im Kopf und Herz. Ich packe schlechte Erinnerungen und Vorurteile in einen Karton und werfe sie weg. Eingestaubte Freundschaften werden gründlich poliert und wieder zum Glänzen gebracht. Ich sortiere Prioritäten neu und markiere sie mit bunten Stiften, damit ich sie in Zukunft nicht wieder durcheinanderbringe. Mein Dopamin, das ich in einem Einweckglas verstaut habe – für den Fall, dass ich es irgendwann brauche – lasse ich nun endlich frei. Raus aus den Federn, weg mit dem Staub, und auf zum Tanz in den Sommer! Und das wichtigste: Die schöne Zeit genießen. Ohne Smartphones und Live-Fotos, ohne dem Druck, möglichst viele „Gefällt-Mirs“ zu sammeln, sondern einfach nur da zu sein. Um einzigartige Momente einzufangen, braucht man keine Kameras, Handys, Filter oder Selfie- Sticks. Früher ging es schließlich auch ohne. Der erste Urlaub an der Ostsee als Kind war ein prallgefülltes Sammelsurium an Sand- und Kleckerburgen, an langen Spaziergängen am Strand und dem Sammeln von Muscheln, Kieselsteinen und anderen Schätzen der Natur. 86

Am Ende eines langen Sommertages schrieb man aufgeregt in sein Tagebuch, fertigte Zeichnungen vom Strandhotel an und schrieb eine Postkarte an die Oma. „Das Gras ist hier wirklich grüner als auf der anderen Seite, und die Wellen sind blau und warm! Ich habe den Farbfilm zwar nicht vergessen, aber du kannst mir glauben, es ist wirklich wunderschön hier!“ Was Nina Hagen in den 70ern noch beklagte, ist heut längst Realität. Die scheu aus dem Bau schauenden Kaninchen, der Sanddorn am Strand, die Bikini-Posen – alles wird festgehalten, gepostet, getagged und geliked. Wenn man ganz retro und gleichzeitig modern sein möchte, färbt man die Bilder tatsächlich schwarz-weiß ein. Heute scheint es mir manchmal so, dass man das unbeschwerte Gefühl, wie man es als Kind hatte, vergessen hat. Das Einfach-nurda-sein und Sich-Entspannen fällt zunehmend schwerer, vor allem in Zeiten der Sozialen Medien. Jeder Cappuccino und jeder Erdbeer-Smoothie muss doch mittlerweile auf Facebook und Instagram gepostet werden, am besten mit einem besonders sonnigen Filter drüber und dem Hashtag #lebedeineträume versehen. Ich glaube, dass es nicht schadet, das Internet oder Handy mal aus zu lassen. Die anderen einfach auf stumm zu schalten, sodass ich mir selbst und den sanften Wellen zuhören kann, die um meine Füße plätschern. Ich wünsche uns allen unvergessliche, mit Zuckerstreuseln berieselte, traumhafte Sommermomente, die einem ganz allein gehören. Die man höchstens mit der Familie teilt, ganz unbeschwert und gelassen. Ich wünsche uns, dass wir dem kitschigen Spruch folgen und wirklich so tanzen, als würde uns keiner zuschauen (oder filmen und auf Youtube hochladen). „Bei meiner Seel‘, alles ist blau und weiß und grün und später immer noch wahr,“ so wie es Nina Hagen sang. SC Fotos: Fotolia 7