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Wissenswertes

Wissenswertes Redewendungen Wir wollen bekannte Redewendungen einmal genauer „unter die Lupe zu nehmen“. Bei unserer Recherche fanden wir interessante Geschichten und kulturelle Ereignisse und waren selber überrascht, welche Hintergründe die Sprichwörter haben." Kleider machen Leute Schon im 16. Jahrhundert wusste man: Kleider machen Leute! Der Spruch „Kleider machen Leute“ drückt aus, dass die Ausstrahlung einer Person auch von der Kleidung abhängt. Denn Menschen werden oft zuallererst nach ihrem Äußeren beurteilt. So gilt in speziellen Berufen eine bestimmte Kleiderordnung: In Banken tragen die Angestellten zum Beispiel oft Anzug und Krawatte, auf einer Baustelle wäre diese Kleidung hingegen total fehl am Platz. Eine Erzählung von Gottfried Keller aus dem 19. Jahrhundert trägt den Titel „Kleider machen Leute“. Sie erzählt von einem armen Schneiderlehrling, der wegen seiner vornehmen Kleider für einen Grafen gehalten wird und der diese Situation solange ausnutzt, bis die Täuschung schließlich auffliegt. Diese Geschichte zeigt, wie leicht sich Menschen von Äußerlichkeiten wie der Kleidung blenden lassen. So gelingt es auch immer wieder Betrügern, sich mit hilfe eines anderen Erscheinungsbildes das Vertrauen anderer Menschen zu erschleichen und sich damit Vorteile zu verschaffen. Im Netz gibt es ein Video, dass zeigt, dass einem gut gekleideten und sauberem Kind die Menschen viel schneller helfen, als wenn dasselbe Kind in der gleichen hilflosen Situation sehr schmutzig ist und alte Kleider an hat. Traurig, aber wahr. Die Redewendung selbst ist allerdings schon wesentlich älter: Den Spruch „Kleider machen Leute“ fand man sogar in Erzählungen, die aus dem 16. Jahrhundert stammen, also über 400 Jahre alt sind. Eine Pomeranze sein Der Begriff „Pomeranze“ entstand in der Biedermeierzeit am Anfang des 19. Jahrhunderts und bezeichnete Mädchen vom Land, die jung und unbedarft waren und deren gerötete Wangen an die Farbe reifer Pomeranzen, also Bitterorangen, erinnerten. Daraus wurde später auch der Ausspruch „Landpomeranze“ für Frauen ohne gesellschaftliche Anstandsregeln, sozusagen mit groben Benehmen. Die Bezeichnung ist heute geschlechtsneutral und wird auch für Männer mit ländlichem Hintergrund verwendet, also ein Ausdruck, der sich bis heute gehalten hat. Ans Eingemachte gehen Wenn die Vorräte zur Neige gehen und man die letzte Notfallreserve anknabbern muss, um zu überleben, aber auch dann, wenn eine Sache wirklich ernst wird, reden wir davon, dass es ans „Eingemachte“ gehe. Echtes „Eingemachtes“ steht heute nur noch in den wenigsten Küchenregalen herum. Bis vor etwa hundert Jahren, als es noch keine Kühlschränke in den Wohnungen oder Supermärkte an jeder Straßenecke gab, sah das anders aus: Jede Familie musste für ihre eigenen Vorräte sorgen. Um auch im Winter genügend Nahrungsmittel zu haben, begannen die Menschen schon im Herbst damit, Fleisch, Gemüse, Pilze und Obst durch Kochen haltbar zu machen. Waren die frischen Nahrungsmittel aufgebraucht, griffen sie zum Eingekochten oder Eingemachten, das in luftdicht verschlossenen Einmachgläsern auf den Verzehr wartete. Mittlerweile haben Konservendosen und Tiefkühltruhen das Einmachen weitestgehend ersetzt. Aber als Redewendung besitzt es noch immer einen festen Platz in der deutschen Sprache. Foto: Pixabay 70

Etwas ist 08/15 Als „nullachtfünfzehn“ wird etwas bezeichnet, das ganz gewöhnlich und belanglos ist und daher auch keiner besonderen Beachtung bedarf. „08/15“ ist außerdem die Typenbezeichnung eines Maschinengewehrs, das im 1. Weltkrieg zum Einsatz kam und auch noch im 2. Weltkrieg ab und an verwendet wurde. Die Soldaten mussten an der „MG 08/15“ immer gleiche Übungen absolvieren, die schnell langweilig wurden und dadurch bedeutungslos erschienen. Eine andere Erklärung liegt darin, dass Soldaten im 1. Weltkrieg angeblich den Spruch „Die Waffe ist ja 08/15“ sagten, mit dem sie sich abfällig über die im Verlauf des Krieges immer schlechter werdende Qualität der Waffe äußerten. Unter Duden.de wird es so angegeben „bar jeglicher Originalität, persönlichen Note; auf ein alltäglich gewordenes Muster festgelegt und deshalb Langeweile oder Überdruss erzeugend“. Einmal hü und einmal hott sagen Das Sprichwort bezieht sich auf die Sprache der Fuhrmänner: Diese setzten bestimmte Kommandos ein, um ihren Zugtieren anzusagen, in welche Richtung sie ziehen sollen und wann sie losgehen und anhalten sollen. Wenn der Fuhrmann „hü“ ruft, sollen die Tiere nach links und bei „hott“ nach rechts laufen. Wenn der Fuhrmann einmal „hü“ und einmal „hott“ ruft, wissen die Pferde oder Ochsen aufgrund der widersprüchlichen Befehle gar nicht, in welche Richtung sie den Wagen nun ziehen sollen. Eine Leiche im Keller haben Achtung, bei dieser Redewendung wird es gruselig: Es könnte nämlich sein, dass jemand sprichwörtlich eine "Leiche im Keller" hat! Die Redewendung klingt zwar mörderisch, doch man sollte sie nicht wörtlich nehmen. Jemand, der eine „Leiche im Keller“ hat, hütet ein dunkles Geheimnis oder hat in der Vergangenheit Schuld auf sich geladen. Doch warum nutzen wir dafür das grausige Bild vom Toten im Untergeschoss? Die Redewendung hat unterschiedliche Hintergründe. Zum einen durfte man früher ungetaufte Verstorbene nicht auf einem katholischen Friedhof beerdigen. Hin und wieder starben Kinder, noch bevor sie getauft wurden. Um sie vor bösen Geistern zu schützen, wurden die Leichen oft heimlich im Elternhaus bestattet. Der Keller bot sich dafür an, weil dort selten Gäste hineinkamen. Zudem bestanden die Böden früher häufig aus festgeklopfter Erde, sodass dort die Kadaver verwesen konnten. Außerdem gibt es Erzählungen, aus denen das Sprichwort entstanden sein könnte. Eine davon ist Theodor Fontanes Geschichte „Unterm Birnbaum“. Es geht darin um einen seltsamen Gastwirt und einen verschwundenen Reisenden... RS frei nach GEO online 71