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Wein Verschluss-Sache

Wein Verschluss-Sache Korken oder Drehverschluss? Fotos: Deutsches Weininstitut Die Geschichte des Korkens beginnt im antiken Griechenland. Dort wurde bereits im 2 Jh. v. Chr. darauf geachtet, die Weinamphoren mit Kork und Pech luftdicht zu verschließen, um den Wein so vor Oxidation und Verderb zu schützen. Auch die alten Römer entwickelten ähnliche Verschlussmethoden, mussten aus Mangel an Kork jedoch oft auf Holzstopfen zurückgreifen, die mit Hilfe von ölgetränkten Tüchern und Hanf in den Fässern befestigt wurden. Für die damalige Zeit waren diese Verschlüsse absolut ausreichend und gewährleisteten einen sicheren Transport und eine akzeptable Haltbarkeit. Erst nach über 1500 Jahren, als im 17. Jh. die Glasflasche entwickelt wurde, mussten sich die Abfüller nach neuen Verschlussmethoden umsehen. Zuerst setzten sie hierbei auf passgenau geschliffene Glasstopfen, wie man sie auch heutzutage noch von edlen Karaffen kennt. Da aber die Herstellung teuer war und kleinste Produktionsfehler die Stopfen undicht machten, griffen die Hersteller auf den wieder gut verfügbaren Naturkork zurück, der damit seinen Siegeszug als moderner Flaschenverschluss startete. Stopfen aus der Rinde der Korkeiche beherrschten danach jahrhundertelang unumstritten die Flaschenhälse. In der 2. Hälfte des 20. Jh. wuchs allerdings die Kritik am Kork – im gleichen Maße wie die Chancen seiner Konkurrenz aus Metall, Glas und Plastik. Bis heute gehört für viele Weintrinker der Naturkorken genauso zum Weingenuss wie ein zum Wein passendes Trinkglas. Andere Verschlüsse erinnern den Genießer zu sehr an Industrieprodukte, es fehlt ihm die Weinkultur und die Romantik und viele denken automatisch an qualitativ einfachen Wein und das vergleichsweise schlechte Image herrscht leider noch oft in den Köpfen mancher Verbraucher. Das Herausziehen des Korkens stellt eine Art mythischen Akt dar und man denkt, die Weingeister werden damit befreit. Über den Verschluss des Weins wird in der Weinwelt heftig diskutiert. Die meisten neuseeländischen Winzer haben für sich die Entscheidung getroffen und bieten ihre Weine nur mit Schraubverschluss an. Das teilen sich die Neuseeländer trotz der sonst üblichen Rivalität mit den Australiern. In einer vom dortigen Weinbauverband verbreiteten Broschüre schreibt man sogar:„Würde man irgend ein anderes Produkt akzeptieren mit einer Verlustrate von 1 aus 12?“ Kork, so die Neuseeländer, gebe laut Studien sogar dann dumpfe und das Aroma schädigende Töne an den Wein ab, wenn kein erkennbarer Korkgeschmack vorliege. 60

So kann der Naturkorken mit der Zeit porös werden, vor allem, wenn die Flasche stehend gelagert wird und die Flasche nicht mehr optimal abdichtet. Dadurch können Fremdgerüche eindringen und den Geschmack negativ verändern. Außerdem kann der Korken den Stoff TCA (Trichloranisol) bilden. Dieser entsteht, wenn chlorhaltige Substanzen mit dem Phenol im Naturkork reagieren. Schimmelpilze entstehen als Produkt dieser chemischen Reaktion, welche zum so genannten Korkton führt. Technisch hochwertige Schraubverschlüsse seien eine moderne, neutrale, absolut zuverlässige Alternative – auch für hochwertige Weine, die jahrelang lagerfähig sein müssen. In Neuseeland verschließt man bereits mehr als 90 Prozent aller Weinflaschen mit Drehverschlüssen. Australien zieht nach. Und auch in Europa ist Kork inzwischen in der Defensive. Untersuchungen verschiedenster Art geben jedenfalls allen Nicht- Kork-Verschlüssen in einer Hinsicht ähnliche gute Noten: Sie sind in der Lage, Weinflaschen dauerhaft und zuverlässig zu verschließen, also auch über Jahre hinweg. Ob besser, gleich oder schlechter, ist umstritten. Zweifellos haben alle Verschlüsse Vor- und Nachteile. Für den Verbraucher entscheidend sind jedoch meist Tradition und Weinkultur. Letztlich reduziert sich die Frage des Verschlusses darauf, was schwerer wiegt. Korken Hochwertige Korken werden am Stück aus der Rinde der Korkeiche gestanzt. Vorteile: hohe Akzeptanz beim Verbraucher; der mit Abstand umweltfreundlichste Verschluss. Nachteil: womöglich Korkgeschmack. Kunststoff Simuliert die Eigenschaften von Naturkork. Ob Kunststoffgeruch den Wein beeinträchtigt, ist wissenschaftlich nicht erwiesen. Vorteile: Wie beim Kork einfache Verarbeitung und preiswert. Nachteile: geringe Akzeptanz bei hochwertigen Weinen; Vino-Lok-Glasverschluss Glasstopfen mit Silikon-Dichtungsring und einer Überkappe aus Aluminium, seit 2003 vor allem auf deutschem Markt. Vorteil: hohe Verbraucherakzeptanz. Nachteil: hohe Kosten. Schraubverschluss Hoch entwickeltes, bewährtes Verfahren. Die Alu-Schraubkappe hat innen eine mehrlagige, neutrale Dichtscheibe aus Kunststoff. Es gibt einfache Mineralwasser-Schraubdeckel oder hochwertige Verschlüsse mit langer Kapsel (Longcap, Stelvin). Vorteile: preiswert, wieder verschließbar, neutral; lange Lagerfähigkeit. Nachteil: geringe Akzeptanz. Der Weisheit bester Weinverschluss ist also nicht so einfach zu finden. Vielleicht geht es dabei zu oft um den Weintrinker und nicht um den Wein. Für Alltagsweine mit überschaubarer Lagerungszeit ist der Schraubverschluss sicherlich eine sinnige Alternative. Auch für unterwegs, z.B. für ein Picknick in der Natur, ist der Schraubverschluss ideal, einfach zu öffnen und einfach wieder zu verschließen. Bei Weinen, die ihre Zeit im Keller brauchen, um ihre beste Seite zu zeigen, wird dem Weinfreund aber nach wie vor zum Naturkorken geraten. RS f 61