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Alles Lesen, was in der Pfalz interessant ist zu erleben, zu entdecken und zu genießen!

Ausflugtipp Die Pfalz

Ausflugtipp Die Pfalz Riesling, Elwetritsche, Keschde und Saumagen – nur eine paar Wörter, welche die Besonderheiten unserer Heimat beschreiben. Toscana Deutschlands Fotos: Thomas Steinmetz Die Toscana gilt schon jeher als einer der Sehnsuchtsorte deutscher Reisender. Auch Johann Wolfgang von Goethe ließ sich auf seiner italienischen Reise von der Schönheit Zentralitaliens beeindrucken. Aber man muss nicht über die Alpen reisen, um sanfte Hügel, unendliche Felder mit Weinreben, Kastanienhainen um einfach Lebensart pur genießen zu können. Es reicht auch ein Ausflug an die Deutsche Weinstraße, welche die Pfalz vom Elsass bis an die Grenze zu Rheinhessen verbindet. Der Oberrhein ist eine der größten Weinanbauregionen der Welt. Links und rechts des Rheins von den Alpen bis zum Beginn der deutschen Mittelgebirge wird Wein angebaut. Auf linksrheinischer Seite nimmt das offizielle deutsche Weinanbaugebiet Pfalz einen großen Teil dieser Strecke ein. Nach dem nördlich gelegenen Rheinhessen stellt die Pfalz mit gut 234 Quadratkilometern Anbaufläche das zweitgrößte deutsche Weinanbaugebiet dar. Wieder einmal waren es die Römer, welche die Tradition des Weinanbaus in die Pfalz brachten. Zahlreiche Ausgrabungen, teilweise inmitten der Reben, geben Zeugnis über die zweitausendjährige Weinbaugeschichte. Sie hatten die besondere Lage entlang des Pfälzer Waldes bzw. Haardt- Gebirges erkannt und konnten dank der von der Sonne verwöhnten Lage, welche in manchen Jahren auf mehr als 2.000 Sonnenstunden klettert, ihren geliebten Rebensaft auch nördlich der Alpen erzeugen. Heute erstreckt sich das Weinbaugebiet auf rund 85 Kilometer Länge und nur wenige Kilometer Breite entlang der Westseite der oberrheinischen Tiefebene. Aber vor allem die Böden sorgen als Wurzeln der Geschmacksvielfalt für erstklassige Weine. Über viele kleinteilige Weinberglagen mit zahlreichen und besonderen Bodenarten entstanden Weine über Jahrhunderte in dieser fruchtbaren Gegend. 36

Geologisch ist die Region vom Einbruch des Rheingrabens und den damit verbundenen Gesteinsverschiebungen geprägt. Kalkstein, Ton, Basalt, Löß, Buntsandstein, Lehm etc. sind hier zu finden. Die Pfalz gilt als Riesling-Land par excellence. Die Anbaufläche des „Königs der Weißweine“ wächst ständig; mit 5455 Hektar ist die Pfalz seit 2008 das größte Riesling-Gebiet der Welt. Besonders Spitzenrieslinge von der Mittelhaardt, dem nördlichen Weinbaubereich der Pfalz, zählten in der Vergangenheit zu den teuersten und begehrtesten Weinen der Welt und wurden beispielsweise schon im Jahr 1869 zur Eröffnung des Suezkanals gereicht. Die Pfalz und insbesondere die Weinstraße ist geprägt von kleinen Weindörfern mit engen Gässchen, vielen landwirtschaftlichen Betrieben und großem mediterranem Charme. Letzterer liegt vor allem an der Fruchtvielfalt. Infolge des milden Klimas gedeihen hier im Freiland Esskastanien. Die Römer brachten die „Keschde“, wie die Pfälzer die beliebte Frucht nennen, zusammen mit dem Wein in die Region; heute prägen Kastanienbäume vor allem den Haardtrand, wie der Streifen zwischen Weinbergen und Pfälzerwald genannt wird. In Deutschland einzigartig, erstreckt sich hier ein breiter Esskastanienstreifen. Der bayerische König Ludwig I. nannte die Pfalz, die beim Wiener Kongress 1815 Bayern zugeteilt worden war, die „schönste Quadratmeile meines Reiches“. Ludwig ließ seine Sommerresidenz am Waldesrand bei Edenkoben inmitten von Kastanienhainen erbauen. Nahe der Villa führt eine Sesselbahn auf 550 Meter Höhe zur Ruine Rietburg. Auf der Fahrt schweift der Blick über „Keschdebääm“, die Kastanienbäume. Ein mildes Klima, weiche Hügel, Burgruinen und der weite Blick über Rebenhänge inspirierten viele Künstler. Auf einem ehemaligen Meierhof der Burg Neukastel oberhalb von Leinsweiler fühlte sich Max Slevogt von 1914 bis zu seinem Tod im Jahr 1932 heimisch. Wer den Blick von der Terrasse des Slevogthofes über die Reize der rheinischen Tiefebene kennt, versteht die Wahl. Der Herbst sei malerisch am kapriziösesten, meinte der Künstler. Alles, was von Kastanien umgeben ist, wird in der Pfalz danach benannt, so auch eine der bekanntesten Weinlagen der südlichen Weinstraße, der Birkweiler „Kastanienbusch“. Ein „Pfälzer Keschdeweg“ führt von Edenkoben über Annweiler tief in den von der Unesco zum Biosphärenreservat ausgerufenen Pfälzerwald nach Hauenstein. Deshalb dreht sich in der Südpfalz jedes Jahr vom 1. Oktober bis zum 15. November alles um die „Keschde“, in Annweiler das Keschdefest oder wie in Edenkoben ein Kastanienmarkt im Wald. 37