Aufrufe
vor 1 Jahr

pfalz-magazin 13 63 APR 2022

  • Text
  • Wwwdaspfalzmagazinde
  • Bewegung
  • Foto
  • Ultimativen
  • Weine
  • Steinmetz
  • Zeit
  • Menschen
  • Pfalz
  • Wein
  • Spargel
Pfalz-Magazin Frühling 2022

Gesundheit Unnützes

Gesundheit Unnützes Wissen Gelbfüßler Wieso nennt der Pfälzer den Badener mit Vorliebe „Gelbfüßler“? Was hat es mit dem Necknamen auf sich und wie entstand er? Die Autobahnfahrt Richtung Baden-Württemberg verläuft in 90 Prozent der Fälle identisch. Mindestens einer der Mitfahrer richtet den Blick gekonnt auf die verschwommenen Nummernschilder der vorbeirasenden Kraftfahrzeuge und kann mit perfekter Genauigkeit den Badener herauspicken. Kaum ist der – in den meisten Fällen handelt es sich um einen Karlsruher – Übeltäter lokalisiert, erscheint nach dem missfälligen Kräuseln der Lippen, ein schelmisches Funkeln in den Augen. „Ajoo, än Gälfießler“, ist zu vernehmen und dann sind sie auch schon überall. Als seien die Badener darauf aus, jeden Pfälzer in die Mangel zu nehmen. „Die Badenser, immer uff de Üwwerholschbur!“ Aber wer genau sind denn die Gelbfüßler? Ausschließlich Karlsruher? Alle Badenser? Entschuldigung, es sollte nicht „Badenser“ ausgesprochen werden. Denn das können die Badener gar nicht leiden. „Des is mer doch worschd.“ Klar, natürlich. Aber bitte niemals die „Gelbfüßler“ mit den „Gelbfüßern“ verwechseln! So nennen nämlich die Österreicher die Bewohner des Burgenlandes. Diese Warnung richtet sich auch an sämtliche Schwaben und Kurpfälzer, da diese die Badener ebenso liebevoll mit dem Namen „Gelbfüßler“ rufen. Dabei gibt es so viele Varianten des Wortes: Gelbfiaßler, Gealfüaßler oder doch lieber Gälfiäßler? Dabei sind dies nicht annähernd alle Versionen des Necknamens. Aber wieso eigentlich Gelb? Und weshalb die Füße? Um der Antwort etwas näher zu kommen, existieren etliche Herangehensweisen. So führt etwa die Betrachtung der Landesflagge zu der Vermutung, dass das kräftige Gelb etwas mit dem Spitznamen zu tun haben könnte. Würde die Farbe nur nicht die untere Hälfte ausfüllen, sondern die obere – man hätte die perfekte Herleitung. Gelb ist oben und dort leben ja schließlich die Badener. Da sie dort leben und „herumlaufen“, könnten die Fußsohlen eine gelbliche Färbung aufweisen. Rein symbolisch natürlich. Da dies aber nicht der Fall ist, scheint jene Erklärung hinfällig. Na ja, Gelb ist trotzdem in der Flagge. Foto: unsplash 68

Vielleicht beleuchtet man nun lieber den Greif, da dieser als Schildhalter das badische Wappen ziert. Und siehe da: Ein gelbes Wappen, verziert mit einem roten Schrägbalken. Gestützt wird es von zwei Greifen, deren Krallen – zumindest in vielen der älteren Versionen – Gelb gefärbt sind. Allerdings sollte an diesem Punkt erwähnt werden, dass Baden und Württemberg erst 1952 zu einem Bundesland vereint wurden. Der Name „Gelbfüßler“ existierte zu diesem Zeitpunkt jedoch schon seit ein paar Jahrhunderten. Wer in Geschichte aufgepasst hat weiß, dass Deutschland – selbst dann noch nicht wirklich als Deutschland zu bezeichnen – mit der Gründung des Kaiserreiches Ende des 19. Jahrhunderts zu teilweise größeren Gebieten vereint wurde. Die Betrachtung einer etwas älteren Länderkarte, etwa des 18. Jahrhunderts, bereitet dabei schon mehr Kopfschmerzen. So wird klar, dass zu damaligen Zeiten nicht konkret in Württemberger und Badener unterschieden werden konnte. Selbst im 19. Jahrhundert lässt sich feststellen, dass das Großherzogtum Baden in großen Teilen den südwestlichen Raum einnahm. Eben jenen Raum, der heutzutage eher als Heimat der Schwaben verstanden wird. So musste ein Badener selbst während der Reichsgründung nicht zwingend in der Region des heutigen Badens leben. Die Bezeichnung „Gelbfüßler“ dürfte somit auch für die Bewohner des heutigen Württembergs verwendet worden sein. Erste Hinweise dafür, dass die Schwaben ebenfalls als „Gelbfüßler“ betitelt wurden, liefert Sebastian Sailers Schwank „Die sieben Schwaben“ (um 1756). Ebenso wird im „Kriegszug der Sieben Schwaben“ (1827) des Schriftstellers Ludwig Aurbacher beschrieben, dass einer der Sieben als ein „Bopfinger Gelbfüßler“ bezeichnet wird. Wieso nun aber Gelb? Gemunkelt wird, dass die Bopfinger ihrem Herzog Eier liefern sollten. Um die große Menge an Eiern reibungslos abgeben zu können, legte man diese in einen Korb und trat sie mit den Füßen, um für mehr Platz zu sorgen. Die Füße waren somit vom Dotter gelblich gefärbt – „Gelbfüßler“ eben. Die Herleitung der gelben Füße wird jedoch auch auf die Tracht der damaligen Weinbauern zurückgeführt, da diese Hosen aus gelben Hirschleder trugen. Die Fokussierung auf Kleidungsstücke scheint hier nicht abwegig, da schwäbische Hofbedienstete – ebenso wie badische Soldaten – Kleidung trugen, die dominant Gelbe Akzente aufwies. Eine weitere, durchaus simplere Erklärung zur Herkunft des Spitznamens, lässt sich in den Lebensumständen der ärmeren Bevölkerung verorten. So wären die verdreckten Straßen dafür verantwortlich gewesen, die Fußsohlen der Landesbewohner so stark zu verfärben, dass sie der Farbe Gelb ähnelten. Weshalb der Begriff „Gelbfüßler“ seit dem 20. Jahrhundert ausschließlich für die Bewohner Badens verwendet wird, lässt sich nicht genauestens beantworten. Die Wappenfarbe, die gefärbten Krallen des Greifs sowie ehemalige Trachten bieten durchaus legitime Argumente, doch erklärt es nicht, weshalb Schwaben, die damals ebenso als „Gelbfüßler“ bezeichnet wurden, dem Necknamen entkommen konnten. Nichtsdestotrotz bietet der Spitzname eine ideale Unterscheidung in Baden und Schwaben. Dies mag die Badener ebenso glücklich stimmen wie die Schwaben – denn miteinander verwechselt zu werden, dürfte zu Empörung führen. Ein Pfälzer versteht dies sicherlich. Mit einem Rheinländer verwechselt zu werden, ist schließlich ein Fauxpas, den nicht jeder so schnell verzeiht. Was die Nachbarschaft knapp hinter der Grenze betrifft, so können wir diese weiterhin „Gelbfüßler“ nennen. Immerhin wollen wir kenntlich machen, dass wir unterscheiden können, über wen wir uns lustig machen – „halt än Gälfießler odda än Schwob.“ LB Foto: pixabay 69