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Winter Ausg 47_2018

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Unsere Winterausgabe für November und Dezember 2018 sowie Januar 2019

ANOGAST Bericht Nr.41

ANOGAST Bericht Nr.41 „S’Badisch“ Hauptstraße 36 | 76316 Malsch Telefon: 07246 - 705 35 07 besucht am Do., 20. September 2018 S ein guter Ruf lockt selbst Gäste aus der Pfalz über den Rhein. Klar, dass da die anonymen Tester des pfalz-magazins nicht weit sind, um sich selbst ein Bild vor Ort zu machen. Die Rede ist vom Restaurant „S’Badisch“ in Malsch, dessen Namen keine Zweifel an seinem rechtsrheinischen Standort lässt. Etwa 20 km südlich von Karlsruhe und in unmittelbarer Nachbarschaft zur Stadt Ettlingen gelegen, befindet sich das schmucke Fachwerkhaus mit der Hausnummer 36 mitten im Zentrum der Gemeinde Malsch. Schon bei unserer Ankunft konnten wir uns dem mediterranen Flair der liebevoll gestalteten, von viel Grün umrankten Terrasse kaum entziehen. Der laue Sommerabend tat sein Übriges und erlaubte ein Genießen unter freiem Himmel. Aber auch im Inneren hätten wir uns wohlgefühlt (Siehe Bilder unten). Die im Vintage-Look eingerichtete Gaststube glich eher einem südfranzösischen Bistrot als einem badischen Restaurant. Antikes Mobiliar und jede Menge dekorative Accessoires auf Tischen, Anrichten und Fensterbänken ergänzten sich in der Summe zu einem äußerst individuellen Landhaus-Stil, der das Motto des Lokals gut widerspiegelte. „Ländlich, zünftig, fein“. Mit diesen drei Attributen, die sich auch auf dem großformatigen Wirtshausschild vor dem Haus wiederfanden, geben die beiden Betreiberinnen Barbara Droht und Sabine Darge die kulinarische Richtung vor. Seit nunmehr fünf Jahren führen sie dieses kulinarische Kleinod mit viel Leidenschaft und Detailliebe. Von den gehäkelten Tischdeckchen, über den üppigen Blumenschmuck bis hin zur antik anmutenden Deko. Alles wirkt hier mit Bedacht aufeinander abgestimmt. Kein Wunder, denn „S’Badisch“ ist fest in Frauenhand. Und so waren es ausschließlich weibliche Servicekräfte, die uns an diesem Abend bestens umsorgten. Der Empfang fiel äußerst herzlich aus und trotz des hohen Gästeaufkommens – die komplette Terrasse war an diesem Abend belegt – wurden wir umsichtig und zuvorkommend bedient. Während wir unseren Aperitif genossen, hatten wir ausreichend Zeit, die kunstvoll gestaltete Speisen- und Getränkekarte zu studieren. Schon deren erste Seite machte unmissverständlich klar, dass hier auch gern über den badischen Tellerrand hinaus gekocht wird. Klassische Kombinationen, mal regional inspiriert, mal saisonal beeinflusst kündeten von einer abwechslungsreichen Küche, die nicht mit mediterranen Akzenten geizte. Gebratene Garnelen, Rindercarpaccio und überbackener Ziegenfrischkäse wurden als Vorspeisen angeboten. Ergänzt von einem Kürbis- und einem Pfifferling-Crème-Süppchen. Fotos: Marco Rieder 62

Besonders gut gefielen uns die kleinen „Versucherle“. Diese verführerischen Mini-Portionen waren schuld, dass wir uns einmal quer durch das Vorspeisenprogramm futterten und das zu äußerst moderaten Preisen. Zusätzlich standen zehn verschiedene Hauptgerichte zur Auswahl. Hier wurde ein recht breiter Spagat zwischen gutbürgerlicher Traditionsküche (Rumpsteak, Schnitzel, Zwiebelrostbraten und Kalbstafelspitz) und ambitionierteren Kreationen (Maishähnchen an Couscous-Salat, Surf and Turf auf badische Art, Kalbsrückensteak an Pfifferling-Rahm-Sauce) geleistet. Mit Semmelknödeln und Tagliatelle wurde auch an die Vegetarier gedacht. Und so kam es, dass wir vor unseren Hauptgängen noch einige dieser kleinen „kulinarischen Glücklichmacher" orderten. Wir probierten beide Cremesuppen (jeweils 2,50 Euro siehe Bild oben links), die beide mit Sahnehaube in einem kleinen Gläschen serviert wurden. Sowohl die Kürbis-, als auch die rahmig-sahnige Pfifferlingcrème zeugten von einer sicheren Hand beim Abschmecken. Die ehrliche Verarbeitung der saisonalen Grundprodukte stand hier klar im Vordergrund. Der Verzicht auf Convenience und andere Küchenhelfer, für Küchenchefin Barbara Droht eine Selbstverständlichkeit, war mit jedem Löffel schmeckbar. Ebenfalls sehr stimmig fiel die saftige Garnele im Knuspermantel (5,50 Euro) auf orientalisch angehauchtem Linsensalat aus. Keine dominante, lätschige Teighülle, kein penetranter Fettgeschmack. Stattdessen auf den Punkt gebraten und daher von traumhafter Konsistenz. Genauso schmackhaft und mit ordentlich Petersilie und Knoblauch verfeinert kamen die Froschschenkel „Elsässer Art“ (6,50 Euro) in einer aromatischen Sahne-Sauce auf den Teller. kein Gericht für fettvermeidende Kalorienzähler. Dafür aber ein umso schmackhafteres Beispiel für deftige Hausmannskost. Die badische Version von Surf and Turf (15 Euro, siehe Bild oben mitte) war als „Hauptgericht-Versucherle“ deklariert und daher etwas kleiner portioniert. Ein recht übersichtliches, dafür aber butterzartes Rinderfilet wurde von seidigem Erbsenpüree und ein paar aufgespießten Flusskrebsen getoppt. Zusammen mit delikat duftenden, noch leicht bissfesten Rosmarinkartoffeln ein tadelloses Gericht, bei dem viel Wert auf gute Produktqualität, korrekte Garzeiten und ein süffiges Geschmacksbild gelegt wurde. Mit einer hausgemachten Schokoladen-Tarte und einem ansehnlichen Stück von der selbstgemachten Himmelstorte wurde auch unsere Lust auf einen süßen Abschluss adäquat gestillt (siehe Bild oben rechts). Fazit: Einziger kleiner Wermutstropfen dieses in sich schlüssigen Gesamtkonzepts ist die nur sehr begrenzte offene Weinauswahl. Schade, denn mit den passenden Tropfen würden auch die fein zubereiteten Speisen noch zulegen. Alles andere hat an unserem Besuchsabend jedoch gepasst. Wir genossen eine bodenständige, ehrliche Küche, die auf sorgfältige Zubereitungen und handwerkliches Können schließen ließ und können den beiden Betreiberinnen nur Recht geben, wenn sie im Einband ihrer Speisenkarte schreiben: „…Kochen ist Liebe und Kochen ist auch Kunst!“ Gut, dass die kleinen Portionen noch genügend Platz für die noch ausstehenden Hauptgänge ließen. Den brauchten wir auch, denn vor allem „s’Badisch-Schnitzel“ (19 Euro) erschien mächtig portioniert. Zu dem mit Grünländer-Käse gefüllten, panierten Schweineschnitzel wurden knusprige Bratkartoffeln à part gereicht. Das zart geklopfte Schnitzel hatte ausreichend Würze unter seiner krossen Panade und wurde nach traditioneller Art mit Butterschmalz in der Pfanne gebraten. Zusammen mit dem geschmolzenen Käsekern war das wahrlich Skala 6 5 4 3 2 1 nicht zu empfehlen — empfehlenswert — sehr zu empfehlen online-tipps.info die ultimative Branchen-Info — exclusiv beim 63