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Pfalz-Magazin Herbst-Ausgabe 51-2019

ANOGAST Bericht Nr.45

ANOGAST Bericht Nr.45 „Umoya“ Burgstrasse 24 | 76855 Annweiler info@umoya-restaurant.de Telefon: 06346 9296744 besucht am So. 14. April 2019 (Abendessen) A dele und Michael Hebel betreiben seit September 2016 in den Räumlichkeiten des ehemaligen Annweiler Park-Cafés ihr Restaurant mit dem ungewöhnlichen Namen „Umoya“. Ungewöhnlich ist auch ihr von Internationalität geprägtes Konzept, das man schon gar nicht in der traditionsreichen Stauferstadt am Ostrand des Pfälzerwaldes vermuten würde. Für die anonymen Tester des Pfalz-Magazins war das Grund genug, um sich das Ganze einmal aus nächster Nähe zu betrachten. Der 48-jährige Küchenchef Michael Hebel ist in der Welt viel herumgekommen. Er kochte bereits in der Schweiz, in Südafrika, in Dubai und in der Karibik. Seine Frau Adele, die mit viel Charme und einer guten Portion Humor den Service leitet, hat er in Südafrika kennengelernt. Daher auch der exotisch klingende Name des Restaurants, der aus der südafrikanischen Zulu-Kultur stammt. Gleich auf der ersten Seite der Speisenkarte wurden wir über die wechselnden Spezialitätenwochen des Jahres 2019 informiert. Diese sind sicherlich dem Umstand geschuldet, dass Michael Hebel schon in einigen Teilen der Erde den Kochlöffel geschwungen hat und diese Erfahrungen auch in seinem eigenen Restaurant einfließen lassen möchte. Unser Besuch fiel nicht in eine „Spezialwoche“, weshalb wir von der Standardkarte wählen durften. Schon deren erste Seite beinhaltete viel Vegetarisches. Kein Wunder, Inhaberin Adele Hebel ist selbst seit über 30 Jahren Vegetarierin und legt in ihrem Lokal Wert auf ein abwechslungsreiches Angebot an fleischlosen Gerichten. So standen beispielsweise Thailändischer Glasnudelsalat mit Gemüse, Gemüse in Tempurateig und vegetarische Frühlingsrollen mit Salat auf dem Speisenzettel. Fotos: Marco Rieder Das Gebäude atmete den Geist der 70er Jahre, zu dem auch die voluminösen, zylinderförmigen Lampenschirme passten. Teilweise unverputztes Sandsteingemäuer, dunkles Gebälk, ausreichend Topfgrün und eine um blau-weiße Farbakzente erweiterte Holzoptik bestimmten das Innere des etwas schummrig wirkenden Gastraumes. Wir blickten durch die hohen Fenster in Richtung Annweiler Kurpark und waren erstaunt, wie gemütlich es in dem etwas aus der Zeit gefallenen, ehemaligen Kurcafé zuging. Dazu gesellten sich noch weitere Salate, die wahlweise mit Steakstreifen, Hühnchenbrust, Garnelen, Falafelbällchen oder Schafskäse kombiniert werden konnten. Vier vegetarische Teller und ein paar internationale Kreationen mit Fleisch standen weiterhin zur Auswahl. Rumpsteak und Schweinefilet verbuchten wir als Zugeständnisse an die gutbürgerlichen Redundanzesser, während sich Fischund Krustentierfreunde über Rotzungenfilet und Garnelen-Pasta freuen durften. 62

Die Weinkarte listete ein paar weniger bekannte Winzer aus dem Landauer Umland. Sohn (Frankweiler), Wambsganß (Nussdorf) und Argus (Gleisweiler) gehören zwar nicht zur Pfälzer Spitze, haben aber auch anständige Tropfen im Sortiment. Im offenen Ausschank wurden 20 Weiß-, Rot- und Roséweine in zwei Größen (0,1l/0,25l) angeboten. Die Viertelpreise oszillierten zwischen 3,90 Euro und 5,90 Euro und bewegten sich damit fernab von hochpreisig kalkulierter Unverschämtheit. Wir übten uns an jenem Abend in Alkoholverzicht und hielten uns an das mikrogefilterte Purezza Tafelwasser (0,7l für 4 Euro). Tempura- Garnelen (9,80 Euro) und Thai-Glasnudelsalat (5,20 Euro) bestimmten dazu unser asiatisch angehauchtes Vorspeisenprogramm. Uns gefiel das reichhaltige Veggie-Angebot, aus dem wir das Gemüse „Bahia“ (11,80 Euro), orderten. Als weiteren Hauptgang wählten wir die mit gebratenen Schweinefiletstreifen bestückte „Peruanische Pfefferpfanne“ (16,20 Euro). Neun kross frittierte, von Tempurateig ummantelte Garnelen (siehe Bild oben links) lagen nach angenehmer Wartezeit ringförmig angeordnet auf einem mit Aufsaugtuch versehenen Teller, in dessen Mitte ein Schälchen mit leicht süßlicher Chili-Mayonnaise, welche die Schalentierschwänze zur Dip-Visite einluden. Hier war nichts tot frittiert. Die Garnelen gerieten außen knusprig und waren innen noch schön saftig. Der aromatische Glasnudelsalat (siehe Bild mitte) strotzte vor frischen Zutaten. Der bunten Mischung aus feingeschnittenen Paprikastreifen, Frühlingszwiebeln, Tomaten und dünnen Reisnudeln wurde durch das rundum gelungene Dressing genau die richtige Asia-Dosis verpasst. Ein wenig Chili, ein Spritzer Limette, ein Hauch Fischsauce – zusammen genommen ergab das eine würzige Frische, die auf gutes Abschmecken hindeutete. wunderbar zupackenden Eindruck am Gaumen hinterließ. Der maßvolle Einsatz von Sahne sorgte dabei für ein cremiges Pfannenvergnügen. Noch leicht bissfeste Paprikastücke steuerten frische Akzente bei. Und die köstlich-herbe Pfefferwürze erledigte den Rest. Zum Reinlegen lecker und zum Sattwerden die richtige Portion. Auch die auf luftig-lockerer Reisbasis gereichte Gemüsepfanne überzeugte (siehe Bild rechts). Im Grunde war das ein handwerklich solide zubereitetes Gemüsecurry aus frischen Zutaten, das auch ohne MNG-Keule unsere Geschmacksnerven in Fahrt brachte. Die mit etwas Sambal Oelek verschärfte Kokosmilchsauce hatte eine angenehm exotische Würze und ließ dem noch knackigen Gemüse genügend Raum zur geschmacklichen Entfaltung. Fazit: Das Umoya ist in dem mit gutbürgerlichen Gaststätten, Weinstuben und Pizzerien ausgestatteten Städtchen Annweiler sicherlich eine kulinarische Bereicherung. An die etwas in die Jahre gekommene Umgebung muss man sich anfänglich erst ein wenig gewöhnen. Aber irgendwie passt das Ambiente dann wieder zu dem auch nicht gerade alltäglichen Speisenangebot. Adele und Michael Hebel geben sich richtig viel Mühe, sei es im Umgang mit den Gästen oder bei der Zubereitung der Gerichte. Bleibt zu hoffen, dass sie mit ihrem Konzept Erfolg haben, indem sie sich eine treue Stammkundschaft aufbauen. Denn der Durchgangsverkehr wird sich aufgrund der etwas versteckten Lage sicherlich in Grenzen halten. Aber eine gute Mundpropaganda ist ja oft schon die halbe Miete. Skala Die Schweinefilethappen der gepfefferten „Peru-Pfanne“ lagen etwas versteckt unter einer aromatischen Sauce à la Crème, die einen 6 5 4 3 2 1 nicht zu empfehlen — empfehlenswert — sehr zu empfehlen 63

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