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PFALZ-MAGAZIN Frühling 1258

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Wissenswertes

Wissenswertes Redewendungen Was bedeuten sie? „Abwarten und Tee trinken“, „Wie eine Weihnachtsgans asusnehmen“, „ Auf der Leitung stehen“, „etwas ausbaden“ – man benutzt sie fast täglich im Alltag, ohne groß darüber nach zu denken. Aber wann benutzt man sie und woher kommen dies bildhaften Bezeichnungen? Wir wollen diese bekannten Redewendungen einmal genauer „unter die Lupe zu nehmen“. Dabei fanden wir interessante Geschichten und kulturelle Ereignisse dazu und waren selber überrascht, was es dazu für Hintergründe gibt.. Alles im grünen Bereich Es ist alles in Ordnung, alles läuft nach Plan und funktioniert prima - es ist also sprichwörtlich alles im „grünen Bereich“. Einen grünen Bereich gibt es oft bei Automaten und Kontrollgeräten. Wenn ein grünes Lämpchen leuchtet, wird signalisiert, dass alles in Ordnung ist. Ein roter Bereich dagegen zeigt eine Gefahr. Wie zum Beispiel beim Auto, wenn bald das Benzin alle ist. Dann schlägt der Tankzeiger in den roten Bereich aus. Genau so ist es auch bei Geräten in Betrieben: Ein roter Bereich zeigt, dass etwas nicht so funktioniert, wie es sollte. Leuchten aber grüne Lämpchen oder befindet sich der Zeiger der Kontrolle im grünen Bereich, dann läuft alles reibungslos. Der grüne Bereich ist also der normale Bereich; rot hingegen ist immer eine Warnfarbe - genau wie bei einer Ampel. Tomaten auf den Augen haben Dies Redwendung sagt aus, man hat etwas übersehen oder etwas nicht bemerken. Diese Redewendung kommt aus dem mittelalterlichen Spanien, wo die Tomate lange als Frucht der Sünde galt. Betrüger, Diebe oder Ehebrecher hörten deshalb oft das Gerichtsurteil: „tomates en los ojos“ – auf Deutsch „Tomaten auf die Augen!“ Als Strafe mussten die verurteilten Verbrecher wochen- und manchmal gar monatelang mit vor die Augen gebundenen Tomaten herumlaufen, sodass jeder in der Stadt von dem Verbrechen erfuhr. Diese öffentliche Demütigung war für die Betroffenen nur schwer zu ertragen. Einer anderen Erklärung zufolge bedeutete diese Wendung ursprünglich „übernächtigt, verschlafen aussehen“ und bezog sich auf gerötete Bindehäute und verquollene Augenpartien. Etwas ausbaden müssen Es bedeutet, die Folgen von etwas tragen müssen, was meist ein anderer verschuldet hat. Diese Wendung kann damit erklärt werden, dass in öffentlichen Badestuben des Mittelalters üblicherweise mehrere Personen nacheinander das kostbare Badewasser verwendeten. Zuhause wurde nach der Rangordnung gebadet, es war meist der Vater als Familienoberhaupt, der in das heiße, saubere Wasser steigen durfte. Der letzte musste mit dem nicht mehr allzu sauberen Wasser vorlieb nehmen und anschließend auch noch die Wanne oder den Badezuber ausgießen und reinigen. Hier musste er sprichwörtlich das Wasser der anderen „ausbaden” und die schlechten Konsequenzen ertragen. Foto: Pixabay 70

In die Binsen gehen Die Redewendung "In die Binsen gehen" stammt ursprünglich aus der Jägersprache und bedeutet, dass man etwas verloren hat oder dass ein Projekt misslungen ist. Als Binsen werden die hohen Pflanzen und Gräser am Ufer eines Sees bezeichnet, die ein gutes Versteck für Enten und andere Wasservögel bieten. Droht den Tieren Gefahr - wenn sie zum Beispiel ein Jäger schießen möchte - verbergen sie sich im Schilf. Hier sind sie sowohl für den Jäger als auch für dessen Jagdhund unauffindbar. Geht ein Vogel also in die Binsen, so verliert der Jäger ihn aus den Augen und muss sein Vorhaben, ihn zu erlegen, aufgeben. Im Laufe der Zeit ist dieser Ausdruck in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, so dass wir ihn heute manchmal benutzen, wenn wir etwas verlieren oder uns eine Sache einfach nicht gelingen will. Auf dem Holzweg sein Mit dem Holzweg ist der Weg gemeint, der zur Holzabfuhr dient. Wenn Wanderer den Holzweg nahmen, um zur nächsten menschlichen Siedlung zu gelangen, kamen sie nicht weiter; sie gelangten nur dorthin, wo einst ein Baum gefällt worden war. Der Holzweg war also der falsche Weg. Der mittelalterliche Dichter Ulrich von Türheim benutzt den Begriff noch im Sinne eines unausgebauten Weges in seinem wohl vor dem Jahr 1243 verfassten „Tristan“ „mît die rehten strâze unt ganc die holzwege hin“ („er mied die ausgebaute/ebene Straße und ging über die Holzwege“). In einer Sittenpredigt des deutschen Predigers Johann Geiler von Kaysersberg (1445–1510) aus dem Jahr 1495 ist der Holzweg ein Ab- oder Irrweg, der von Gott wegführt: „man findt under tausent nicht einen, der dem rechten weg nachtrachtet, sonder sie gehn all dem holzweg nach und eilen heftig bisz sie zu der hellen kommen“ („Unter Tausend findet man nicht einen, der nach dem rechten Weg strebt , sondern sie alle folgen dem Holzweg und eilen sehr bis sie in der Hölle ankommen“). In seiner Sprichwörtersammlung und in seinen „Tischreden“ verwandte auch Martin Luther diese Redensart mehrfach. Einen Zahn zulegen Diese Redewendung sagt uns, dass wir die Geschwindigkeit steigern sollen. Dafür gibt es zwei Erklärungen. Einige finden den Ursprung dieser Redewendung bereits im Mittelalter, als das Essen in einem Topf über dem Feuer zubereitet wurde. Der Topf hing dabei an einer Schiene mit mehreren Zacken, auch „Zähne“ genannt. Sollte das Essen schneller fertig werden, hängte man den Topf einen Zacken tiefer und erhöhte so die Temperatur im Topf. Nach anderen Quellen entstammt diese Wendung erst dem 20. Jahrhundert und wird ganz allgemein auf Motoren zurückgeführt. Deren Drehzahl ließ sich nur stufenweise regeln. Wollte man die Geschwindigkeit steigern, musste in eine höhere Stellung eingerastet werden. Alle Register ziehen Um auszudrücken, dass man nichts unversucht lässt und alle seine Chancen nutzt, um etwas zu erreichen, verwendet man häufig diese Redewendung Sie bezieht sich auf das Orgelspielen, denn als Register werden die Reihe ähnlich klingender Pfeifen in der Orgel bezeichnet. Wenn man den satten Klängen einer Orgel lauscht, hat man das Gefühl, ein ganzes Orchester sei am Werke, denn die zahllosen Pfeifen einer Orgel können eine beeindruckende Klangfülle erzeugen. Die verschiedenen Register ahmen andere Instrumente nach, ob nun Flöten oder auch Geigen manchmal sogar ein Glockenspiel. Der Organist muss schon vor dem Musizieren entscheiden, welche Register er ziehen und dadurch anstellen muss, damit das Klangbild der Orgel auch zu der Musik passt, die er zu spielen gedenkt. Orgelspieler, der alle Register zieht, schöpft also alles aus, was seine Orgel an Tönen zu bieten hat – und das ist wahrlich nicht wenig. 60 Register und über 1.000 Pfeifen sind keine Seltenheit. RS 71