Aufrufe
vor 3 Wochen

PFALZ-MAGAZIN Frühling 1258

  • Text
  • Traum
  • Salz
  • Spargel
  • Milch
  • Zeit
  • Wein
  • Steinmetz
  • Meerrettich
  • Menschen
  • Schokolade
Das neue Pfalz-Magazin ist da! Alles erfahren, was es rund um Pfälzische Lebensart, Genuss, Kultur und Reisen geht!

Sonstiges Ostern Wenn

Sonstiges Ostern Wenn man an Ostern denkt, werden meist sogleich Kindheitserinnerungen geweckt. Schon lange vor den eigentlichen Feiertagen wurde gebastelt, Eier gefärbt und bunt bemalt. Viele wissen schon gar nicht mehr, warum wir überhaupt Ostern feiern! Was bedeutet es eigentlich? Wir wollen diese Fragen natürlich hier nicht vollkommen erschöpfend behandeln, aber wir wollen wenigstens den Versuch wagen, es kurz und „mundgerecht” zu beleuchten. Der im Deutschen gebräuchliche Name „Ostern” ist altgermanischen Ursprungs und hängt etymologisch wohl mit der Himmelsrichtung Osten zusammen: Der Ort der aufgehenden Sonne gilt im Christentum als Symbol des auferstandenen und wiederkehrenden Jesus Christus. Wegen der Entdeckung des leeren Grabes Jesu „früh am Morgen, als eben die Sonne aufging” (Mk 16,2) wurde die Morgenröte in der Christenheit zum Symbol der Auferstehung. Der Brauch, zu Ostern Eier zu verschenken, ist sehr alt und hat verschiedene Ursprünge. Das Ei galt bereits früh in der Kulturgeschichte als Ursprungsort des Menschen oder gar des Universums. Bereits in der Urchristenzeit war es Sinnbild des Lebens und der Auferstehung, so dass in das Grab von Toten ein Ei mitgegeben wurde. Das Ei hält gleichsam etwas verborgen, ist wie ein verschlossenes Grab. Aus einem scheinbar toten Körper bzw. Gegenstand schlüpft schließlich etwas Lebendiges. Damit wird der Bezug zur Auferstehung Christi deutlich. Auch der Aspekt der Ewigkeit kann durch das Ei symbolisiert werden, es ist sozusagen ohne Anfang und Ende. An dieser Stelle mag vielleicht so mancher Leser auch an die berühmte Frage denken, ob denn nun zuerst das Ei oder das Huhn existiert hat. Aber davon wollen wir gar nicht erst anfangen. Daneben war das Ei im Mittelalter eine Berechnungseinheit für Pacht und Zins. An Ostern, als feststehenden Zahlungstermin, wurde als Gegenleistung für gepachtetes Land den Grundherren Eier überreicht. Zudem war während der Fastenzeit auch der Genuss von Eiern untersagt. Bis zum Osterfest, welches die Fastenzeit bekanntlich beendet, sammelten sich somit viele Eier an, womit so nebenbei die Frage beantwortet wird, warum ausgerechnet an Ostern so viele Eier gegessen werden. 86

Fotos: Pixabay In Ägypten sind seit mehr als 1000 Jahren farbige Eier bekannt. In der westlichen Welt ist seit dem 13. Jahrhundert rot die traditionelle Farbe für das Ei. Es ist die Farbe des Blutes Christi, des Lebens, des Sieges, der Liebe, der Königsherrschaft und der Lebensfreude. In Osteuropa findet man eher goldfarbene Eier, als Zeichen der Kostbarkeit. Bis heute gibt es regional viele verschiedene Grundfarben für das Osterei, die aus verschiedenen Bedeutungen heraus erwachsen sind. Der Fund eines bemalten Eies aus dem vierten Jahrhundert nach Christus lässt auf eine sehr alte Tradition des Eier bemalens schließen. Aus säkularer Sicht galt der Gründonnerstag als Abgabe- und Zinstermin für Schuldner an die Gläubiger. Einerseits ist überliefert, dass die Gläubiger in Eiern oder Hasen bezahlt wurden, so jedenfalls liest man das im Haushaltsbuch eines Speyrer Domherrn. Zum christlichen Osterfest gehört bekanntlich auch das Osterlamm. Dieses Osterlamm ist aus dem Ritual der Juden, zum Passahfest (das war bekanntlich auch die Zeit, als Jesus gekreuzigt und auferstanden ist) ein Lamm zu schlachten und zu verspeisen, hervorgegangen. Während seit der Zeit des Alten Testaments bei den Juden das „Passah”-Lamm zum Gedenken an den Auszug aus Ägypten geschlachtet wird, ist es für die Christen symbolisch zum „Lamm Gottes” geworden, versehen mit der Fahne als Zeichen des Sieges, als Symbol des Lebens. Wie ja auch Jesus (das „Lamm Gottes”) gekreuzigt („geschlachtet”) wurde und den Sieg errang mit der Auferstehung (AT: Auszug aus Ägypten – Befreiung vor der Gefangenschaft). Mit seinem weißen Fell ist das Lamm daneben auch ein Symbol für Reinheit und friedliche Lebensweise und soll damit als Zeichen des Friedens dienen und zur friedlichen Lebensweise ermahnen. In der Gegenwart findet es sich aber meistens als Osterlamm auf der Speisekarte. Als Backwerk aus Rührteig bildet es außerdem, reich verziert, oft den Mittelpunkt des Ostertisches. Es gibt viele Traditionen rund um das Osterfest, dabei sollte man aber eines nicht vergessen: am Ostersonntag feiern wir die Auferstehung des gekreuzigten Jesus, denn ohne die Botschaft von der Auferstehung wäre jeglicher christliche Glaube umsonst. Daher spricht man ja auch vom „höchsten christlichen Fest“ RS f 147 97