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Frühlingsausgabe Pfalz-Magazin Apr-Mai 2020

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Die neue Frühlingsausgabe des pfalz-magazins ist voll von den schönen Dingen des Lebens in der Pfalz und Nordbaden.

Wissenswertes

Wissenswertes Redewendungen Was bedeuten sie? „Auf der Leitung stehen“, „Einen Pferdefuß haben“, „ Jacke wie Hose“, „Rosenkrieg führen“ – man benutzt sie fast täglich im Alltag, ohne groß darüber nach zu denken. Aber wann benutzt man sie und woher kommen dies bildhaften Bezeichnungen? Wir wollen diese geflügelten Worte einmal genauer „unter die Lupe zu nehmen“. Dabei fanden wir interessante Geschichten und kulturelle Ereignisse dazu und waren selber überrascht, was es dazu für Hintergründe gibt.. Auf der Leitung stehen Manchmal ist man einfach begriffsstutzig und braucht etwas länger, um etwas zu begreifen und steht dann redensartlich „auf der Leitung“. Die Redewendung stammt aus jener Zeit, als die Telefontechnik noch in den Kinderschuhen steckte. Die Qualität der Übertragung war damals noch äußerst schlecht – je weiter weg Anrufer und Empfänger sich voneinander befanden, desto schlechter war die Verbindung. Oft brach die Verbindung eines Telefonats einfach ab oder der Gesprächspartner war nur noch schwer zu verstehen. Damals herrschte in den Köpfen die (falsche) Vorstellung, irgendwo würde jemand auf der Telefonleitung stehen und damit das Signal verschlechtern. Daraus entwickelte sich mit der Zeit die Redensart „ich stehe auf der Leitung“, wenn jemand vorrübergehend Probleme mit dem Verständnis eines Sachverhaltes hatte – ohne negative Gedanken auf die allgemeine geistige Fähigkeit zu werfen. Die Redewendung hat sich bis heute in unserem Wortschatz gehalten. Einen Rosenkrieg führen Liegen zwei Menschen in einem bitteren Streit, dann nennt man dies, einen Rosenkrieg führen. Meist sagt man das bei einem Ehepaar, die sich in einer besonders schwierigen Trennung oder regelrechtem Scheidungskrieg befinden Der Ursprung der Redewendung „Einen Rosenkrieg führen“ liegt weit in der Vergangenheit, vermutlich im England des 15. Jahrhunderts. Damals ereignete sich zwischen zwei großen Adelshäusern ein dramatischer Kampf um Ruhm, Macht und Ehre. Die rivalisierenden Adelsfamilien York und Lancaster stritten um die englische Thronherrschaft und führten Krieg untereinander. Beide stammten vom Haus Plantagenet ab – dem Haus, dem auch Heinrich II. entstammte, der im 12. Jahrhundert König von England wurde und damit ein Anrecht der Nachkommen des Hauses Plantagenet auf den englischen Thron begründete. Die Familienwappen der beiden Häuser zeigten beide jeweils eine Rose – eine weiße Rose im Wappen des Hauses York und eine rote Rose im Wappen des Hauses Lancaster. Der Konflikt ging daher als sogenannter „War of the Roses“ (auf Deutsch „Rosenkrieg“) in die Geschichte ein und prägt so bis heute auch die deutsche Redensart. Kleider machen Leute Diese Redewendung drückt aus, dass die Wirkung einer Person auch von der Kleidung abhängt. Denn Menschen werden oft zuallererst nach ihrem Äußeren beurteilt. So gilt in speziellen Berufen eine bestimmte Kleiderordnung. Foto: Pixabay 68

Eine Erzählung von Gottfried Keller aus dem 19. Jahrhundert trägt den Titel „Kleider machen Leute“. Sie erzählt von einem armen Schneiderlehrling, der wegen seiner vornehmen Kleider für einen Grafen gehalten wird. Er gelangt in eine fremde Stadt namens Goldach und wird dort wegen seines Äußeren für einen polnischen Grafen gehalten und sich in eine adliges Mädchen verliebt. Dabei versäumt er aus Schüchternheit das Missverständnis aufzuklären. Auf der Verlobungsfeier kommt es zum Skandal. Strapinski flieht, seine Braut aber findet ihn, rettet ihn vor dem Erfrieren und stellt ihn zur Rede. Als sie sich davon überzeugt hat, dass seine Liebe echt ist, bekennt sie sich zu ihm und setzt die Heirat durch. Der Schneider gründet mit ihrem Vermögen ein Atelier und bringt es zu Wohlstand und Ansehen, womit das Sprichwort „Kleider machen Leute“ sich bewährt. Tabula rasa machen Den Ausdruck „Tabula rasa“ kannten schon die alten Römer und es bedeutet eigentlich wörtlich übersetzt „glatte Tafel“. Papier kannte man damals noch nicht, und Papyrus war sehr teuer. Deshalb ritzten viele Römer ihre Notizen in kleine Wachstafeln, die wieder glatt geschabt wurden, wenn man sie erneut benutzen wollte. Daher kommt die Bedeutung der Redewendung „Tabula rasa machen“: Das Alte beseitigen und einen Neuanfang machen! Auch die Redewendung „reinen Tisch machen“ entstand wahrscheinlich durch eine fehlerhafte Übersetzung, weil „Tabula“ fälschlicherweise als Tisch anstatt als Tafel übersetzt wurde. Oft sagt man dies bei uns auch, wenn man alte Bäume aus dem Garten entfernt, um neue zu pflanzen oder den Garten neu anzulegen. Es zieht wie Hechtsuppe Dies sagt man oft, wenn es einmal mit dem Lüften zu gut gemeint wurde. Was aber soll ein kalter Luftzug mit einer Fischsuppe gemein haben? Diese Redewendung hat zwei mögliche Ursprünge. Zum einen sollte Fischsuppe allgemein sehr lang ziehen, damit sie genug Geschmack entfalten kann. Hechtfleisch, muss besonders lange in der heißen Brühe liegen, bis es sein Aroma abgibt. Viele Sprachforscher sind allerdings von einer anderen Theorie überzeugt: Die „Hechtsuppe“ könnte von dem jiddischen Ausdruck „hech supha“ abgeleitet sein. Das bedeutet „wie eine Windsbraut“ oder „wie ein starker Wind“. Durch ein Missverständnis könnte daraus die „Hechtsuppe“ entstanden sein. Mit dem Genuss einer Fischsuppe hat so ein starker Luftzug aber sicher nichts zu tun. Das Zünglein an der Waage Diese Redewendung bezieht sich auf den kleinen Zeiger in der Mitte einer Waage mit zwei Schalen, wie man sie früher benutzte. Meist Apotheker machten lange Zeit von ihr Gebrauch. In die eine Waagschale wird der zu wiegende Gegenstand gelegt, in die zweite Gewichte, um beide Waagschalen in Balance zu bringen. Dadurch kann man das Gewicht des Gegenstands ermitteln. Das Zünglein, ein Mechanismus, der das präzise Ergebnis anzeigte. Dieser Zeiger schwingt bei Belastung der Waage aus und kommt bei ausgewogenen Waagschalen im Zentrum der Anzeige zum Stillstand. So zeigt das Zünglein kleinste Gewichtsunterschiede auf einer Skala an – und gibt somit den Ausschlag. Somit entstand mit der Zeit die Redewendung „das Zünglein an der Waage sein“.Auch bei Gericht sieht man die Waagschale in den Händen der Justitia, der römischen Göttin der Gerechtigkeit, als Symbol für Redlichkeit und Ausgewogenheit. Wird jemand als das Zünglein an der Waage bezeichnet, hängt eine Entscheidung von ihm und seinem Votum ab. Auch eine unerwartet eintretende Situation kann das Zünglein an der Waage sein, wenn sie einen Wendepunkt in einer ansonsten ausgewogenen Lage bringt. Den schwarzen Peter zuschieben Wenn man jemandem redensartlich den schwarzen Peter zuschiebt, gibt man ein ungelöstes Problem an diesen weiter. Die Redewendung geht zurück auf das bekannte Kartenspiel „Der schwarze Peter“, bei dem derjenige Spieler verliert, der als letzter die Karte mit dem Schwarzen Peter auf der Hand hält. 69

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