Aufrufe
vor 2 Monaten

Frühlingsausgabe Pfalz-Magazin Apr-Mai 2020

  • Text
  • Mai
  • Weinfest
  • Genuss
  • April
  • Wein
  • Veranstaltungen
  • Juni
  • Menschen
  • Zeit
  • Pfalz
  • Basilikum
  • Spargel
Die neue Frühlingsausgabe des pfalz-magazins ist voll von den schönen Dingen des Lebens in der Pfalz und Nordbaden.

Essay Ernährung von

Essay Ernährung von Thomas Steinmetz — die neue Religion? Alle paar Monate kommen ein paar neue Regeln auf, wie man sich „gefälligst zu ernähren hat.“ Diäten wechseln sich ab und Ernährungsregeln werden permanent durch völlig neue Regeln ersetzt und widersprechen sich gegenseitig. Wer kennt das nicht? Da hat man sich mal daran gewöhnt, dass Eier angeblich ungesund seien wegen des hohen Cholesterins und plötzlich wird feierlich verkündet, dass dem gar nicht so ist und man verwirft die alten Ernährungsregeln. Um dann wieder wenig später von anderen abgelöst zu werden und so weiter. Oft wird gar ein Glaubenskrieg ausgefochten zwischen Paleodiät-Anhängern mit South-Beach-Diät-Anhängern und zwischen Veganern und Vegetariern mit Atkins-Anhängern. Fast bekommt man den Eindruck, dass die Zahl der verschiedenen Ernährungsempfehlungen gleich groß ist wie die Zahl der Personen, die diese Empfehlungen veröffentlichen. runter den Ernährungs„jüngern“ propagiert. Das lästige Kalorienzählen ist gleichermaßen auffallend wie verständlich heutzutage nicht mehr angesagt; spätestens, seit dem man weiß, dass bestimmte Fette gar nicht so schädlich sind, wie man immer behauptete. Im Gegenteil, denn Kalorien sind nicht gleich Kalorien! Hinzu kommen natürlich noch die Ernährungsempfehlungen des Bundeszentrums für Ernährung, mit ihrer berühmten Ernährungs- Pyramide, wo uns „gepredigt“ wird, von was wir viel essen sollen und wovon wenig. So stehen hier — entgegen der meisten modernen Diäten — Kohlenhydrate eher hoch im Kurs. Nehmen wir allein die verschiedenen Diäten, die es in unserer heutigen Zeit gibt. Die meisten davon sind recht jung. Aber ungeachtet dessen waren seit rund 150 Jahren alle Möglichkeiten hip, ein paar Pfunde loszuwerden. Früher nämlich galt ein völlig anderes Schönheitsideal, nämlich „schlank“ galt damals als „arm“. Wer also schlank war und mit gebräunter Haut daher kam, der galt als armer, im Freien arbeitender Mensch. Heute hingegen trifft für jemand, der eine gebräunte Haut hat und schlank ist, genau das Gegenteil zu, nämlich jemand, der oft in Urlaub geht und Zeit hat, in die Sonne zu gehen und es sich leisten kann. Aber zurück zum Thema. Es ist also kein Wunder, dass Diäten sehr hoch im Kurs stehen. Kein Wunder auch, dass die Titelzeilen einschlägiger Frauenzeitschriften alle einem einzigen Hauptthema huldigen, nämlich Diäten aller Couleur, á la „Schlank in nur 30 Tagen“... So werden Intervallfasten, Paleo-Diät, Radikalfasten, Ketogene Diät, Low Carb, Detox, Clean Diät und andere rauf und Die Ernährungspyramide des BZfE (Bundeszentrum für Ernährung), die ein „Gefälle“ zeigt, was man viel zu sich nehmen sollte. Unten sind die angeblich wichtigen Dinge 66 Foto: Punta San Vigilio im Osten des Gardasees.

» Hinzu kommen natürlich noch die Ernährungsempfehlungen des Bundeszentrums für Ernährung, die zum Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) gehört und mit ihrer berühmten Ernährungs- Pyramide uns „gepredigt“ wird, von was wir viel essen sollen und wovon wenig. So stehen hier — entgegen der meisten modernen Diäten — Kohlenhydrate eher hoch im Kurs. Es scheint so, als ob unsere Regierung ein Interesse daran hat, uns explizit das Essen vorzuschreiben, was uns angeblich so gesund macht. Ganz oft hört man, auch in Begrüßungen und Verabschiedungen, dass man „gesund bleiben“ soll, weil das ja das höchste Gut sei, was man als Mensch besitzt. Daran ist sicherlich überhaupt nichts falsch. Verzerrt wird jedoch von ganz vielen Menschen die Bedeutung von Nahrung und Gesundheit für das Leben an sich. Hatte man z.B. früher noch eine gesunde Portion Gottvertrauen (wörtlich gemeint!), so weicht diese „veraltete“ Einstellung mehr und mehr in Richtung „Ernähre dich gesund und du lebst lang. Dann – und nur dann – hast du ein gutes Leben gehabt!“ Und genau das möchte ich ausdrücklich in Zweifel ziehen. Man glaubt nicht mehr an Gott. Man glaubt an die Gesundheit! „Gesunde Ernährung war meine Religion“, meint Nils Binnberg, der buchstäblich Freunde, Bekannte und Verwandte versuchte, zu missionieren, zu bekehren. Sogar an der Supermarktkasse fühlte er sich überlegen, wenn vor ihm jemand eine Tiefkühlpizza aufs Band legte und grenzte sich so immer mehr gegen seine Mitmenschen ab, die seiner Religion nicht folgten. „Ich dachte wirklich, ich sei etwas besseres!“ Es gibt ja auch tatsächlich direkte Bezüge von Religion und Ernährung. Man braucht nicht lange, bis einem hier die Speisevorschriften von Koran und Altem Testament einfallen, wo bestimmte Tiere zu essen, verboten sind. Ganz zu schweigen von der Art der Schlachtung. Natürlich würde ein Mensch, der sich aus Überzeugung einer Art der Ernährung verschrieben hat, niemals zugeben, dass er religiös-fanatisch mit seiner Ernährungsweise umgeht, schließlich ist dieser Mensch fest davon überzeugt und möchte folglich auch andere davon überzeugen. Möglicherweise ist sich solch ein Mensch, der so lebt, gar nicht über diesen religiösen Aspekt bewusst. Auffällig habe ich persönlich jedenfalls empfunden, dass Vegetarier und vor allem Veganer solch einen fundamentalistischen Weg gehen. Vor allem bei letzteren finden sich stark religiöse Bezüge, da diese Ernährungsweise nur noch wenig mit der eigenen Gesundheit zu tun hat. Manche dieser „Gläubigen“ stellen auch das Tier auf die gleiche Ebene wie den Menschen. Bitte verstehen sie mich nicht falsch. Ich sage nicht, dass die Ernährungsweise eines Menschen irgend etwas mit „gut“ oder gar „böse“ zu tun hat. Das einzige, was ich mit diesen Zeilen beleuchten möchte, ist die Tatsache, dass es wichtigere Dinge gibt, als sich mit „Essen und Trinken“ zu beschäftigen. Und dass der Genuss des Essens sich nicht durch falsch verstandene Ethik beeinflussen lassen sollte. Am Ende des Lebens wird nicht gefragt, ob wir ethisch einwandfrei gegessen haben. Ich persönlich bin davon überzeugt, dass es wichtiger ist, wie oft wir unseren Mitmenschen verziehen, sie geliebt, getröstet und ermutigt haben. Wenn wir vor unseren Schöpfer treten, wird Er jedenfalls mit Sicherheit nicht nach unserer Ernährung fragen, ob wir die Milch den Kühen oder den Honig den Bienen weg genommen haben. Ich weiß nicht, welche Art der Ernährung oder welche Diät die beste ist. Keine Ahnung! Aber eins weiß ich ganz sicher. Die Art der Ernährung ist nicht das wichtigste im Leben und ich lasse mir die Lust an bestimmten Speisen ganz bestimmt nicht vergällen. Lieber lebe ich ein wenig kürzer, aber genussreich, als lange mit Verzicht. Wobei hier der Beweis für ein garantiert kürzeres Leben erst noch erbracht werden müsste. TS © SSCHNEIDERFRITZ S Vielfach prämierte Weine und Sekte aus eigenem Anbau Wir gestalten Ihre Familien- und Firmenfeiern Hoffest und Jahrgangspräsentation am 12. – 14. Juni 2020 Öffnungszeiten Weinstube: Freitag abends Samstag abends Sonntag mittag und abends Weingut Schneiderfritz Brigitte und Martin Schneiderfritz Marktstraße 9 76831 Billigheim-Ingenheim Telefon: 06349/6416 Telefax: 06349/1359 E-Mail: info@schneiderfritz.de www.schneiderfritz.de 67

Pfalz-Magazin

Frühjahr Feb-Mrz 2019
pfalz-magazin Apr-Mai 2019
Pfalz-Magazin Sommerausgabe 10-50 Jun-Aug 2019
Pfalz-Magazin Winter 52-2019
Frühlingsausgabe Pfalz-Magazin Apr-Mai 2020
Pfalz-Magazin Frühjahr 2018
Frühling 2018 APR-MAI
pm 0945 JUN 2018
Herbstausgabe 10-46 Sept-Okt 2018
Winter Ausg 47_2018
Frühjahrs-Ausgabe Nr. 53 Feb.-Mrz. 2020
Frühlingsausgabe Pfalz-Magazin Apr-Mai 2020
Sommerausgabe Pfalz-Magazin 55_2020