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Frühjahrs-Ausgabe Nr. 53 Feb.-Mrz. 2020

Alles über Wein, Genuss, Freizeit, Kultur und Gesundheit im Raum Pfalz, Rhein-Neckar und Nordbaden erfahren!

Tradition und Moderne

Tradition und Moderne Hand in Hand Ein Reisebericht von Christ Lantz Der einheimische Fremdenführer meint „Agadir ist nicht Marokko“, und hat – aus seiner Perspektive – sicher Recht. Für den europäischen Gast spiegelt die 800.000 Einwohner zählende Großstadt dennoch die Vielfalt Marokkos wider: Weltoffenheit und Traditionsbewusstsein, Frömmigkeit und religiöse Toleranz, moderner Lebensstil und überliefertes Brauchtum gehen Hand in Hand. „Gott – Vaterland – König“: so lautet die Übersetzung der Leuchtschrift, die von einem Hügel herab auf die nächtliche Stadt strahlt und die Bezugspunkte des marokkanischen Alltags klar definiert. Für den Touristen – Franzosen, Spanier, Engländer – etwas gewöhnungsbedürftig sind sowohl die überall sichtbare Präsenz von Polizei und Militär als auch die intensiven Kontrollen (bei der Reiseplanung rechtzeitig an den Pass denken!) Gewöhnen muss man sich als preisorientierter Europäer auch an das Feilschen im Suok. Da gibt's einfach alles: von Obst, Gemüse, Käse und anderen Nahrungsmitteln über kitschige Souvenirs bis zu wirklich hochwertigen Schmuck, Lederarbeiten und landestypischer Kleidung. Und sobald der Tourist das geringste Interesse zeigt, wird er mit lebhaften Gesten herangewinkt, unter Umständen in mehreren Sprachen zum Kaufen animiert und vor allem zum Handeln. (Tipp: wenn der Verkäufer sich an Kopf oder Herz greift und von „Bankrottpreis“ spricht, dann liegen Sie in etwa richtig!) Andererseits: nichts ist umsonst. Wenn Sie sich mit einem Kamel und seinem pittoresk anmutenden Besitzer oder einem Schlangenbeschwörer mit seinen Lieblingen fotografieren lassen wollen, dann wird selbstverständlich ein Obolus erwartet. Apropos Obolus: am günstigsten ist es, wenn man den vertrauten Euro im Land gegen Dirham eintauscht. Fotos: Christ Lantz, Pixabay 72

Den klassischen arabischen Gruß „Salam aleikum" – Friede sei mit Dir – mit dem auch der Gast überall angesprochen wird, darf man wörtlich nehmen: die muslimische Mehrheit lebt in religiösem Frieden mit ihren christlichen und jüdischen Minderheiten. Auf den ersten Blick überraschend ist das viele Grün in Agadir selbst und erst recht in der Umgebung. Dank einer klugen Wirtschaftspolitik – der Vater des jetzigen Königs ließ während seiner Regierungszeit ca. 150 Staudämme bauen – wurden riesige Landstriche fruchtbar gemacht. Obst und Gemüse gibt es in Hülle und Fülle, auch auf dem Speisezettel der marokkanischen Küche, die ebenso Lamm- und Geflügel umfasst und am Meer natürlich Fisch aller Art. Nicht zuletzt produziert Marokko auch einen guten Wein und ist stolz auf sein selbst gebrautes Bier. Zwar untersagt der Koran den Genuss von Alkohol, die weltoffenen Marokkaner beziehen dies aber mehr auf den übermäßigen Genuss; gegen ein Gläschen Wein zum Essen ist offensichtlich nichts einzuwenden. Das alte und das neue Marokko: immer wieder wird man als Gast mit gegensätzlichen Eindrücken konfrontiert: da zockelt der klapprige Eselskarren hinter den stark vertretenen Nobelmarken mit dem Stern her, da geht eine junge Frau in Jeans und Top neben ihrer verschleierten Freundin, Männer in eleganten Business-Anzügen plaudern mit Geschlechtsgenossen, die ganz selbstverständlich ihre Dschelabah tragen. Lassen Sie sich auf Marokko ein – es lohnt sich! CL online-tipps.info 14 15 73