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Frühjahrs-Ausgabe Nr. 53 Feb.-Mrz. 2020

Alles über Wein, Genuss, Freizeit, Kultur und Gesundheit im Raum Pfalz, Rhein-Neckar und Nordbaden erfahren!

Die „Rosa

Die „Rosa Jahreszeit“ — Zeit der Mandelblüte Wenn Weihnachten Schnee von gestern ist und warme frische Luft uns um die Nase und Ohren säuselt; wenn dann auch noch eine Explosion in Rosa-Weiß unsere Sinne betört, dann ist es in der Pfalz wieder soweit. D ie Pfalz ist dafür bekannt, dass exotische Pflanzen aufgrund des milden Klimas gut gedeihen. Die vielen Sonnenstunden, verhältnismäßig geringer Niederschlag und der Pfälzerwald, der wie eine Mauer die Weinstraße vor Kaltluft schützt, taten ihr Übriges, um die südlichen Pflanzen hier heimisch werden zu lassen. So wachsen in der Pfalz neben den Mandeln auch Kiwis, Feigen und Esskastanien. Aber wie kamen die Mandeln hier her? Vermutet wird, dass Mandeln schon 4.000-5.000 Jahre alt sind und ursprünglich aus Kleinost- bis Mittelasien stammen, genauer aus dem Gebiet Persien/Afghanistan. Von dort wurden sie nach Zentralasien und angeblich durch Alexander den Großen (356 v. Chr. – 323 v. Chr.) über die heutige Türkei und Griechenland schließlich auch nach Europa gebracht. Für die Verbreitung in Europa sind die Römer verantwortlich. Sie lernten die Mandeln in Griechenland kennen, nahmen sie mit nach Italien und setzten sie als Arznei und zur Herstellung von Hautpflegemittel ein. Wie kam die Mandel in die Pfalz? Die Römer brachten die Mandeln zuerst nach Nordafrika und später gemeinsam mit den Weinreben auch nach Deutschland und siedelten diese in den wärmeren Regionen und vor allem in der Pfalz an. Bereits Karl der Große (747-814) soll den Anbau von Mandelbäumen angeordnet haben und so die Mandelkultur in Deutschland eingeführt haben. Urkundlich erwähnt wurde die Mandel für die Pfalz allerdings erst im 11. Jahrhundert. Auch Kurfürst Friedrich I. ordnete 1464 an, dass in den Weinbergen Mandel- und Walnussbäume anzupflanzen seien. Durch diese Anordnung wollte er der Landbevölkerung ermöglichen das Einkommen zu erhöhen und auch in den Winter auszuweiten. Da die Mandelbäume in den Weinbergen nur wenig Schatten werfen, wurde ihr erwerbsmäßiger Anbau dort sehr geschätzt und wurde bis Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführt. Konkurrenz aus dem Mittelmeerraum ließ ab dann den Mandelanbau in der Pfalz unwirtschaftlich werden. 86

Heute werden Mandelbäume hauptsächlich aufgrund ihrer schönen Blüte gepflanzt. Vor allem die kräftig strahlende rosa Blüte, wie die „Perle der Weinstraße“, erfreut sich großer Beliebtheit. Bereits in den 1980ern gab es Pflanzaktionen, um Lücken entlang der Deutschen Weinstraße zu füllen und immer noch werden jährlich zahlreiche Mandelbäume gesetzt, alte morsche ausgetauscht mit jungen Bäumen. So bleibt der schöne, Alleeähnliche Charakter erhalten. Zahlreiche feste finden zur Mandelblütenzeit statt. Vor allem in Gimmeldingen, ein Ortsteil von Neustadt an der Weinstraße, wird meist schon im Februar verwandelt sich die Natur in ein zartrosa Blütenmeer. Jedes Jahr zieht das Mandelblütenfest, das im Jahre 1934 am 15. April erstmals gefeiert wurde, bis zu 25.000 Besucher von nah und fern an, um den Frühling zu feiern. Mehr als 1000 Mandelbäume liefern den „Traum in Rosa“. Sie stehen vor allem in drei Alleen, besonders schön an der Neubergstraße zwischen Gimmeldingen und dem Nachbarort Königsbach. Inmitten der Natur sind dann einige der 20 Ausschankstellen angesiedelt. Hier kann man bei Frühlingsduft und bester Aussicht auf die blühende Landschaft den neuen Weinjahrgang und Pfälzer Spezialitäten genießen. Mandel und Wein haben viele Ähnlichkeiten: Sie mögen karge Böden, nicht zu viel Wasser und viel Sonne. Der Termin für das Fest variiert je nach Blütenstand und allgemeiner Wetterlage. Ein Festausschuss legt dann nach genauem Abwägen den endgültigen Termin fest. Es ist eines der ersten Weinfeste im Jahr. Mittels einer Webcam, die auf die Mandelbaumallee am Neuberg im Nordwesten Gimmeldingens gerichtet ist, können „Auswärtige“ sich über den Fortschritt der Mandelblüte informieren: www.mandelbluetenfest.de/termin/bluetenstand Mandelblütenfest entlang der Villastraße: Der Termin richtet sich nach dem Blütenstand und wird rechtzeitig bekannt gegeben. An der bekannten Mandelbaum-Allee entlang der Villastraße sowie der angrenzenden Wanderwege, am Fritz- Claus-Weg, an der „Liebeslaube“, am Kelterplatz, am Großen Holzfass sowie am Rosengärtchen laden zahlreiche Anbieter mit ihren Ständen ein. Zu einem umfangreichen Speisenangebot kann man dort eine tolle Auswahl von Weinen und Sekten der Edenkobener Winzer verkosten. Herrliche Ausblicke auf Schloss Villa Ludwigshöhe im Süden und das Hambacher Schloss im Norden geben der Veranstaltung einen stimmungsvollen Rahmen. Rosa Leuchten entlang des Haardtrandes 2010 haben die schmucken Weindörfer entlang der Deutschen Weinstraße erstmals ganz neue Mandelblüten-Akzente gesetzt und auch dieses Jahr werden sich Burgen und Schlösser vom 1. März bis 26. April entlang des Haardtrandes ab Einbruch der Dunkelheit wieder in rosa Lichterglanz präsentieren. So leuchtet das Deutsche Weintor in rosa, zahlreiche Kirchen und Kapellen entlang der Weinstraße, das Hambacher Schloss, das Haardter Schlössel bis hin zum Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim erstrahlen im rosa Licht – nur um einige der zahlreichen Gebäude zu nennen. Am 28. März verwandelt „VinoLumino“ urige Weinkeller in faszinierende Lichträume, inszeniert angesagte Vinotheken in Pink, lässt Weingüter von innen und außen rosarot leuchten. Alle weiteren Veranstaltungen rund um die Mandelblüte unter: www.mandelbluete-pfalz.de www.mandelbluete-pfalz.de/de/mandelwochen/veranstaltungen/ neu: pfalz-wein.info f 147 97