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Frühjahrs-Ausgabe Nr. 53 Feb.-Mrz. 2020

Alles über Wein, Genuss, Freizeit, Kultur und Gesundheit im Raum Pfalz, Rhein-Neckar und Nordbaden erfahren!

Gesundheit

Gesundheit Frühlingskräuter Die Kenntnisse über Anbau und Verwendung von Kräutern sind Jahrtausende alt. Griechische Autoren fassten die Kräuterkulturen aus Kleinasien, Ägypten und Griechenland zusammen und zu Beginn der Zeitrechnung waren schon zahlreiche Werke über Kräuter im Umlauf. D ie Römer übernahmen das Wissen der Griechen und brachten es durch ihre Eroberungszüge nach Europa. Nachdem die Zeit der Römer vorbei war begannen die Benediktiner das Wissen der Antike zu sammeln. Die meisten Kräuter wurden wegen ihrer Heilwirkung geschätzt. Sie lindern Schmerzen, beruhigen und desinfizieren. Das 16. Jahrhundert brachte einen Wandel in die europäischen Kräutergärten, da Seefahrer von ihren Handelsfahrten nach China, Indien und Amerika neue Kräuter mitbrachten. Das kam den Ärzten zu dieser Zeit sehr gelegen. Sie waren auf der unermüdlichen Suche nach Kräutern für alle möglichen Krankheiten. Mit der Zeit siegten die Kräuter über die teuren Gewürze. Bisher waren Gewürze nur den Reichen vergönnt, die Armen würzten mit Kräutern. Mit der Entdeckung der Gewürzstraße sank jedoch der Preis auf Gewürze, womit diese für die reiche Gesellschaft uninteressant wurden. Im 17. Jahrhundert fand zudem ein Umdenken statt. Anstelle der Betäubung des Gaumens durch Gewürze trat das Ziel mit dem zarten Aroma der Kräuter den Geschmack der Speisen sanft zu unterstreichen. Dieses Denken setzte sich bis heute durch. Der Glaube an die aphrotisierende Wirkung der Kräuter ist genauso alt wie das Wissen um ihre Heilkraft. Rosmarin soll das Herzklopfen frisch Verliebter mindern und arabische Liebhaber schwuren darauf, dass Minze ihre Potenz fördere. Fasst man die Ratschläge aller Autoren zusammen, gewinnt man den Eindruck, jedes pflanzliche Produkt fördere oder hemme, je nach Bedarf, die Potenz und die Lust. Diese Sorge um das Funktionieren des Geschlechtsorgans ist möglicherweise auf die kurze Lebensdauer der damaligen Zeit zurückzuführen. Schon mit 40 Jahren war man ein Greis mit grauem Haar und fauligen Zähnen. Die Inhaltsstoffe der Kräuter sind das, was sie so gesund macht und die Wirkung ist ganz unterschiedlich. So wirkt Johanniskraut blutdrucksenkend, die bittere Kreuzblume milchtreibend, Eichenrinde hemmt kleine Blutungen und der zweiblättrige Herzspann wirkt beruhigend auf das Herz. Und das sind nur wenige unter vielen heilenden Kräutern. Mit der Erfindung des Penizillins und der Entwicklung von chemischen Heilmitteln geriet die Kunst der natürlichen Kräuterheilung immer mehr in den Hintergrund. Es ist jedoch in den letzten Jahren wieder ein deutlicher Trend hin zu Naturheilmitteln zu verzeichnen und auch in der modernen Küche werden frische Kräuter sehr gern in den verschiedensten Varianten verwendet. Viele heimische Heilpflanzen, die besonders im Frühjahr voller Vitalität sprießen, werden immer noch als »Unkraut« verkannt. Zu vertreiben sind diese Wildkräuter aus Gemüse- und Blumenbeeten oft schwer. Doch statt sie mühsam auszuzupfen und auf den Kompost zu werfen, sollten sie lieber in Küche und Kochtopf wandern. Ob in Kräuterbutter oder Quark, im Salat, als Gemüse, Tee oder in der Suppe – sie übernehmen den Frühjahrsputz in unserem Körper. Sinn einer Frühjahrs-Kur ist es, Schlacken, die sich im Laufe des Winters eventuell durch Bewegungsmangel und vitaminärmere Ernährung im Körper angesammelt haben, loszuwerden. Als „Schlacken“ werden Stoffe bezeichnet, die am Schluss des Stoffwechselprozesses nicht ausgeschieden werden, sondern im Gewebe liegen bleiben und zu den verschiedensten Beschwerden führen können, wie Müdigkeit, rheumatische Beschwerden, verhärtete Muskulatur, schlechtes Hautbild. Die Lebenskraft frischer Frühjahrs-Wildkräuter kurbelt den Stoffwechsel an, wirkt heilend und hilft, Frühjahrsmüdigkeit zu vertreiben. Besonders hartnäckig wuchert Giersch in unseren Gärten und bringt so manchen Hobbi-Gärtner zur Verzweiflung. Betrachten wir Giersch einfach als delikates, regelmäßig nachwachsendes Bio- Gemüse und ernten ihn ab, denn er enthält viel Vitamin C und Mineralstoffe wie Eisen, Kupfer und Mangan. Sein botanischer Name verrät noch mehr, denn Podagra ist ein alter Name für Gicht. 50 48

Fotos: Wikipedia Giersch vertreibt das „Zipperlein“, denn er entsäuert den Körper. Die leckerste Möglichkeit, in den Genuss der heilsamen Kräfte des Giersch zu kommen, ist, ihn in Olivenöl anzubraten und mit jungen Kartoffeln zusammen zu verspeisen. Auch das Wiesenlabkraut (Galium aparine) ist eine schmackhafte Zutat im Frühlingssalat – oder einfach auf dem Butterbrot. Es regt die Nierentätigkeit an, wirkt entwässernd und somit gegen Ödeme, reinigt die Haut, schützt die Schleimhäute, fördert die Entschlackung über die Lymphe und fördert den Abbau von Schadstoffen aus dem Körper. Seinen Namen hat es von Labferment, das auch im Kälbermagen vorkommt und hilft, die Milch zu verdauen. Es bringt Menschen, die sich müde und abgeschlagen fühlen, neue Energien. Brennnessel wird auch die Königin der Heilpflanzen genannt. Für eine Frühjahrskur ist sie besonders gut geeignet. Als Saft oder Tee getrunken wirkt die Brennnessel stark blutreinigend, entgiftend und kurbelt unseren Stoffkreislauf an und wir werden uns schnell wieder fit fühlen. Aber auch zu einem Wildkräutersalat oder als Suppe schmeckt sie kräftig, würzig und herzhaft. Löwenzahn kennt wohl jeder. Er ist eine anerkannte Heilpflanze von der Wurzel bis zur Blüte. Der französische Name „piss en lit“ weist deutlich auf seine entwässernde Wirkung hin. Er hilft gegen Entzündungen der Harnwege, Blähungen und bei Nierengrieß. Löwenzahn, insbesondere die Wurzel, innerlich eingenommen, beugt entzündlichen Ablagerungen in Gelenken vor wie sie bei Rheuma und Arthrose vorkommen. Aus den Blüten kann man auch ein wunderbares Massageöl herstellen, denn Löwenzahn löst auch äußerlich angewandt Verkrampfungen und schmerzhafte Ablagerungen in den Muskeln. Dazu füllt man die frisch gesammelten Löwenzahnblüten in ein Schraubdeckelglas, drückt sie fest an und übergießt sie mit einem guten Olivenöl, sodass alle Blüten mit Öl bedeckt sind. Diesen Ansatz lässt man 4 bis 6 Wochen an einem hellen Platz stehen, filtriert es dann durch ein Mulltuch ab und füllt das fertige Öl in dunkle Glasfläschchen und bewahrt sie lichtgeschützt auf. So ist es ein ganzes Jahr lang haltbar. Der Gehalt an wertvollen Wirkstoffen ist im Frühjahr in den Wildkräutern meist am größten. Auch ein aromatisches und heilkräftiges Wildkräuter-Pesto ist ein hervorragende Möglichkeit, um sich noch lange an der Vielfalt, die das Frühjahr an Kräutern bereithält, zu erfreuen. Je nach Wahl der Wildkräuter schmeckt es jedes Mal anders. Besonders eignet sich dafür Gundelrebe, Giersch, Sauerampfer, Labkraut, Kerbel, Liebstöckel, Löwenzahnblätter und Brennnessel. Dazu werden 120g frische Wildkräuter vorsichtig gewaschen, trocken getupft und grob zerkleinert. Zusammen mit 40g gerösteten Sonnenblumenkernen, einigen Spritzern Zitronensaft, 150ml Olivenöl und 40g frisch geriebenem Pecorino im Mixer zerkleinern bis eine homogene, grüne Soße entsteht. In kleine Gläser abfüllen und kühl aufbewahren. Ein vitalisierender Genuss zu Pasta oder Aufläufen. Auch eine Wildkräuterbutter kann man im Frühjahr gut zubereiten, eine willkommene Alternative zur bekannten Kräuterbutter. In kleinen Portionen eingefroren hat man das ganze Jahr über eine herzhafte Zutat zum Steak oder anderen Fleischgerichten. Man sieht, Mutter Natur hält viel Gesundes für uns bereit, man muss es nur erkennen und nutzen. RS Löwenzahn (Taraxacum officinale) Giersch (Aegopodium podagraria), ein gesundes Unkraut 49