Aufrufe
vor 3 Jahren

Frühjahr Feb-Mrz 2019

  • Text
  • Wein
  • Ultimative
  • Exclusiv
  • Pfalz
  • Steinmetz
  • Suppe
  • Feldsalat
  • Menschen
  • Februar
  • Weine
  • Magazin.de
Unsere neue Ausgabe für das Zeitfenster Februar-März 2019. Alles Wichtige erfahren über die Themen Wein, Genuss, Kultur und Reisen für die Region Pfalz, Rhein-Neckar und Nordbaden

ANOGAST Bericht Nr.42

ANOGAST Bericht Nr.42 „Bienwaldmühle“ Bienwaldmühle 3 | 76779 Scheibenhardt Telefon: 06340 - 276 besucht am Sa., 1. Dezember 2018 Abendessen Gute Mund-zu-Mund-Propaganda ist ja bekanntlich die beste Werbung. Und für solche haben die anonymen Tester des Pfalz-Magazins immer ein offenes Ohr. Angeblich sorgt in einem Waldgasthof mitten im Bienwald ein junges Betreiberpaar schon seit längerem für kulinarische Furore. Dort, direkt an der Grenze zu unseren elsässischen Nachbarn, befindet sich das familiengeführte Traditionslokal Bienwaldmühle, das in Sachen Hausmannskost seit geraumer Zeit einen guten Ruf in der Region genießt. Schon beim Betreten des von außen sehr einladend wirkenden Anwesens empfing uns gepflegte Gastlichkeit. Im mit modernen Holzelementen ausgestatteten, in hellen Farbtönen gehaltenen Gastraum wurden wir herzlich begrüßt und zu dem in weißes Leinen gehüllten Tisch geleitet (siehe Bilder unten). Zylinderförmige Leuchten beachtlichen Umfangs tauchten den Raum in helles Licht. Ein paar Lux weniger hätten es unserer Meinung nach ruhig sein dürfen. Es hätte den Raum noch gemütlicher wirken lassen. Chefkoch Philipp Roth hat seinen Vater Werner schon vor ein paar Jahren am Herd abgelöst und führt seitdem die gutbürgerliche Küchentradition fort ohne sich neuen Einflüssen zu verweigern. In seine saisonal beeinflusste Regionalküche fließen deshalb auch mediterrane und asiatische Akzente mit ein. Und die kulinarischen Auswirkungen des lediglich einen Steinwurf entfernten Elsass sind schon seit vielen Jahren im Speisenangebot verankert. Was uns an diesem Abend sehr positiv auffiel, war die klassische Art und Weise, wie man hier bedient wurde. Die Damen vom Service richteten bei manchen Hauptgängen die Teller am Tisch an. Sie trugen die Speisen in kleinen Schalen aus der Küche und erledigten den Rest vor den Augen der Gäste. Das machten sie so akribisch und geschickt, dass es eine Freude war, ihnen dabei zuzusehen. Die für uns zuständige Dame vom Service, deren Pfälzer Zungenschlag uns von vornherein sympathisch war, machte einen hervorragenden Job. Sie umsorgte uns ohne Fehl und Tadel, hatte auf Nachfragen immer eine Antwort parat und war zusätzlich mit einer gesunden Portion Humor ausgestattet. Das hatte eine persönliche Note und ließ uns glauben, wir wären schon seit Jahren hier Stammgäste. An diesem Abend wurde ein dreigängiges Charity-Menü angeboten. Von den 40 Euro, die das Menü kostete, gingen 4 Euro an den Förderverein zur Unterstützung der onkologischen Abteilung der Kinderklinik Karlsruhe. Feldsalat mit gebratenen Garnelen, Rumpsteak an Pommery-Senf-Sauce und ein Karamell-Erdnuss-Parfait bildeten die Menüfolge. Fotos: Marco Rieder 62

Aber auch das Standardprogramm konnte sich sehen lassen. Eine erlesene Auswahl gutbürgerlicher Wohlfühlkost, die sich von Filetsteak mit Sauce Béarnaise (26 Euro) über Kalbsrahmschnitzel (19,20 Euro), Seeteufelmedaillons an Rieslingsauce (25,50 Euro) bis hin zu geschmorter Hirschkalbskeule (20,90 Euro) und gebratenen Kartoffelknödeln mit Steinpilzrahmsauce (13,90 Euro) erstreckte, erschwerte die Entscheidungsfindung. Dem georderten Charity-Menü folgten einmal Feldsalat mit Speck (8,20 Euro), Rehbraten (18,20 Euro) sowie Ragout von Reh und Hirsch mit Waldpilzen (15,90 Euro, siehe Bild oben mitte). Beide Wildgerichte wurden von Kartoffelknödeln und einem Beilagensalat flankiert. Dem Durst begegneten wir mit einer Flasche Mineralwasser zu reellen 3,90 Euro. Beim Wein fiel die Entscheidung aufgrund der gut sortierten, mit klarem Pfalzschwerpunkt versehenen Flaschenweinkarte nicht ganz so leicht. Wir wählten eine Flasche „Black Print“ (32 Euro) vom Ellerstädter Cuvée-Spezialisten Markus Schneider. Bei seinen Rotweinverschnitten liegt man eigentlich nie falsch. Der samtig-kräftige Rote machte seinem Namen alle Ehre, funkelte wie schwarze Tinte im Glas und passte hervorragend zu den kräftigen dunklen Saucen unserer Wildgerichte. Der Start fiel erfreulich aromatisch aus. Auf einem in vier Segmente unterteilten Glasteller lagen genauso viele, herrlich nach Knoblauch, Kräuter und Elsassküche duftende Garnelenschwänze (siehe Bild oben links), die so gnadenlos lecker gewürzt waren, dass wir davon locker die dreifache Menge verputzt hätten. Der mit ausgelassenem Speck und Buttercroûtons verfeinerte Feldsalat präsentierte sich dabei geschmacklich auf Augenhöhe. Der Rehteller bestand aus drei zart geschmorten Fleischinseln, die von einem dunklen Saucenspiegel umgeben waren. Die schön lockeren, homogenen Kartoffelknödel trugen ein Toupet aus Butterbröseln und wurden à part serviert. Die seriös zubereitete, harmonisch abgeschmeckte Wildsauce zeugte von langem Einköcheln und einer kräftigen Jus-Basis. Genau wie beim zart geschmorten Ragout von Reh und Hirsch, das intensiv nach Waldpilzen duftete. Beim perfekt gebratenen Rumpsteak wurde auf argentinische Ware zurückgegriffen. Überzogen von einer rahmigen, jedoch nicht opulent sahnigen Pommery-Senf-Sauce und begleitet von den besten Kroketten, die wir seit langem genießen durften. Mit den Kartoffelknödeln und den Kroketten gelangen hier zwei hausgemachte Beilagen der Spitzenklasse, wie man sie auch in hochdekorierten Häusern nicht besser serviert bekommt. Eigentlich schon komplett gesättigt, ging es auf die kulinarische Zielgerade, wo ein Karamell-Erdnuss-Parfait als abschließendes Dessert auf uns wartete (siehe Bild oben rechts). Uns fiel der süße Abschluss etwas zu heftig aus, zumal das Parfait noch mit zusätzlicher Karamellsauce übergossen war und dadurch ein zu eindimensionaler, überzuckerter Geschmack entstand, der das feine Erdnussaroma fast komplett überdeckte. Fazit: In der Summe war es ein höchst erfreulicher Abend in entspannter Umgebung. Danke an das Team der Bienwaldmühle, das einen hervorragenden Job machte und uns mit seinen kleinen, hausgemachten Details so positiv überraschte. Wir sind sehr gespannt, wie sich der Waldgasthof nach der Renovierung des Kaminzimmers präsentieren wird und freuen uns jetzt schon auf den nächsten Besuch. Skala 6 5 4 3 2 1 nicht zu empfehlen — empfehlenswert — sehr zu empfehlen online-tipps.info die ultimative Branchen-Info — exclusiv beim 63